"Venedig aus Schusslinie nehmen"

20. Juni 2002, 20:27
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Filmfestival-Leiter Moritz de Hadeln will europäischen und deutschen Film stärken

Berlin - Der neue Leiter der Filmfestspiele von Venedig, Moritz de Hadeln, will ein "starkes europäisches und deutsches Kino" auf seinem Festival haben, sagte er in einem Agenturgespräch.

Politik

Der zunächst für ein Jahr übernommene neue Posten sei sicherlich nicht leicht, zumal wenn man ein solches Festival von Weltgeltung innerhalb nur weniger Monate übernehmen müsse. Er könne verstehen, dass manche bedauerten, dass kein Italiener ernannt worden sei, erstmals seit der Gründung des Festivals vor mehr als 50 Jahren. Vielleicht sei das aber auch ein Vorteil. "Ich will versuchen, Venedig ein klein wenig aus der innenpolitischen Schusslinie zu nehmen."

Neuerungen

Er plane keine "Revolution" bei dem ältesten Filmfestival der Welt, doch ein "paar Neuerungen im Programm" seien denkbar. Am Lido hätten immer vor allem künstlerisch anspruchsvolle Filme ihren Platz gehabt. Venedig habe aber ein Problem - die fehlende Filmmesse, die gleichzeitig in Mailand stattfinde. "Es hat keinen Sinn, von Kunst allein zu reden, weil diese Kunstform vom Verleih und Produzenten bezahlt wird." Die italienische Filmwirtschaft unterstütze ihn voll und habe ihm bereits sehr gute Filme angeboten. Auch die Angebote aus dem Ausland seien hervorragend.

Deutsche Präsenz

Er würde sich über eine deutsche Präsenz auch in Form eines Besuchs von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin auf dem in diesem Jahr vom 29. August bis zum 8. September stattfindenden Festival am Lido freuen. "Aber es wäre nett, wenn Deutschland ein bisschen mehr tun würde, als nur einen kleinen Umtrunk zu veranstalten", sagte de Hadeln. Bereits im April hatte er die Berliner Regisseurin und Produzentin Christel Buschmann als neue Deutschland-Korrespondentin des Festivals ernannt.

"Niemand würde mir, auch wenn ich aus Berlin komme, einen Vorwurf machen, wenn wir eine etwas stärkere deutsche Präsenz haben, vorausgesetzt, die Qualität stimmt auch", sagte de Hadeln. Eine übertriebene deutsche Präsenz ohne diese Qualität könne auch ein Problem sein, wie die letzte Berlinale gezeigt habe, meinte de Hadeln, der bis 2001 zwei Jahrzehnte Leiter der Berlinale war. (APA/dpa)

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