EU-Projekt: Österreich bildet junge afrikanische Mediziner aus

20. Juni 2002, 13:45
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Wien - Die Europäische Union will die klinische Forschung in Afrika fördern. Im Rahmen des EDCTP (European and Developing Countries Clinical Trial Partner), das als Initiative der EU-Kommission zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose gegründet wurde, will man auf eine intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik setzen. In Österreich werden in der Vienna School of Clinical Research in Wien-Landstraße junge afrikanische Wissenschafter ausgebildet.

Das österreichische Projekt wird u.a. vom Wissenschaftsministerium und von der Stadt Wien finanziell unterstützt. "Die Teilnahme Österreichs an der Bildung von EU-weiten Netzwerken ist ein wichtiger Aspekt zur Stärkung der nationalen Forschung und zur Förderung internationaler Kooperationen", sagte Raoul Kneucker, Sektionschef im Wissenschaftsministerium. "Mit ihrer ausgezeichneten Erfahrung kann die Vienna School speziell auf Fragen der Forschung im Bereich Aids, Malaria und Tuberkulose eingehen."

Ab kommender Woche geht es bereits los. "Da werden 15 junge afrikanische Forscher zu einer Schulung für medizinische Dokumentation und Forschung nach Wien kommen", bestätigte der Leiter des Eli Lilly Area Medical Center, Heinrich Klech. "Wir werden das Gut an Wissen an die Leute transferieren und diese sollen das Gelernte in ihrem Ursprungsland weitergeben", so Klech. Man freue sich auf eine langjährige Zusammenarbeit. Außerdem möchte man auch das Interesse auf die afrikanischen Krankheiten lenken. "Denn hier zu Lande konzentriert man sich eher auf Herzkreislauferkrankungen, Schlaganfall oder Krebs", erklärte der Wissenschafter.

"Wir sind sehr froh darüber, dass diese Trainings von EDCTP entwickelt wurden", meinte Univ.-Prof. Dr. Leopold Zekeng, Berater des Kameruner Gesundheitsministers im Bereich von Aids. "Denn wir brauchen qualifizierte Leute. Diese Ausbildung wird eine soziale, medizinische und politische Auswirkung haben." In den vergangenen Jahren seinen in Afrika nur eine begrenzte Anzahl klinischer Versuche durchgeführt worden. "Von 30 Forschungsprojekten seit 1987 fanden nur zwei statt", erklärte Zekeng.

Das Gleiche gelte für die Entwicklung von neuen Medikamenten und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten sowie Möglichkeiten gegen die Übertragung des HI-Virus von Müttern auf Kinder und bei sexuellen Kontakt. "Ein Hauptgrund für die geringe Anzahl von Forschungsprojekten in Afrika ist bestimmt die noch geringere Anzahl qualifizierter Forscher, die Protokolle entwickeln und klinische Versuche leiten könnten", sagte Zekeng. (APA)

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