120.000 Unterschriften gegen Regierungspläne

21. Juni 2002, 16:23
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"Mahnwache" vor ÖIAG und Straßensperren während des Warnstreiks geplant - Postgewerkschaft beteiligt sich an Protest

Wien - In ihrem Kampf gegen die geplante Teilprivatisierung des österreichischen Postbusses holt sich die Postbus-Belegschaft nun Rückdeckung von ihren Fahrgästen. In einer Unterschriftensammlung haben die Postbus-Lenker bereits zehn Tage nach Start der Aktion die 120.000ste Unterstützungserklärung gesammelt. Alle Erwartungen seien damit übertroffen worden, so der Betriebsrat am Freitag in einer Aussendung. Insgesamt befördert der Postbus täglich 500.000 Fahrgäste, 400.000 davon sind Schüler und Lehrlinge. Sie durften allerdings erst ab dem 16. Lebensjahr unterschreiben.

Breite Unterstützung im ländlichen Raum

"Unsere Fahrgäste stehen zu uns. Sie haben klar erkannt, was die Umsetzung der Regierungspläne für den Postbus bedeuten würde", erklärte Betriebsratschef Robert Wurm am Freitag in einer Pressemitteilung. Viele Unterschriften kommen laut Belegschaft vor allem aus ländlichen Gemeinden. In 700 Gemeinden sei der Postbus das einzige öffentliche Verkehrsmittel. Gerade die Verkehrsversorgung in diesen Regionen sei durch den Regierungsplan gefährdet, meint Wurm.

Laut Regierungsplan soll der Postbus zunächst vom jetzigen Eigentümer ÖIAG zu 100 Prozent an die ÖBB übertragen und im Anschluss zu 30 Prozent an Private weiterverkauft werden. Der Betriebsrat fürchtet dabei den Abbau von tausend Arbeitsplätzen und die Einstellung unrentabler Linien. Die Regierung weist das zurück.

48 Stunden Stillstand

Voraussichtlich nächste Woche wird der Betriebsrat, wie berichtet, ein weiteres Mal einen Warnstreik abhalten. Nach einem ersten eintägigen Warnstreik Ende Mai sollen alle 1.600 Postbusse nun bundesweit 48 Stunden stillstehen. Der Vorstand rechnet mit Streiks am Dienstag und Mittwoch. In den Tagen des Streiks will der Betriebsrat auch weitere Protestmaßnahmen setzen. Über die gesamte Dauer des Streiks hinweg will die Belegschaft etwa vor der ÖIAG-Zentrale in der Wiener Kantgasse eine "Mahnwache" abhalten. Geplant seien außerdem auch Straßensperren, hieß es aus der Belegschaftsvertretung.

Postgewerkschaft beteiligt sich an Protest

Die Belegschaft von Post und Telekom wird sich an den Protesten des Postbus-Betriebsrats gegen die Teilprivatisierung des Unternehmens beteiligen. Der Zentralausschuss der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) hat am Freitag in einer Sitzung einstimmig "die vorbehaltlose Unterstützung" der Postbusbelegschaft beschlossen. Geplant sei, während des Streiks den Postbus mit "Maßnahmen in den eigenen Betrieben" zu unterstützen. "In allen Bereichen von Post und Telekom wird es am Streiktag Informationskundgebungen geben", sagte Martin Palensky vom Zentralausschuss der Postgewerkschaft am Freitag. (APA)

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