Leere Trainerbänke

20. Juni 2002, 13:03
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Schon vor Abschluss des Turniers sind zwölf Verbände auf der Suche nach einem neuen Nationalcoach

Yokohama/Japan - "Hire and fire" in Fernost: Reihenweise werden bei den WM-Teilnehmern die Trainerbänke frei. Schon vor Abschluss der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan sind zwölf Verbände auf der Suche nach einem neuen Nationalcoach - und ein Ende des Stühlerückens ist längst noch nicht in Sicht. Roger Lemerre in Frankreich, Marcelo Bielsa in Argentinien sowie Antonio Oliveira in Portugal stehen angesichts der sportlichen Pleiten und des öffentlichen Drucks vor dem Amtsende.

Andere haben ihre Papiere bereits in der Hand, und meistens kamen sie mit dem Rücktritt der Entlassung zuvor. Bereits 30 Minuten nach dem Vorrunden-K.o. hatte Oleg Romantsew den russischen Verband per Fax von seiner Demission unterrichtet. Mit ihm quittierte auch der gesamte Stab an Assistenztrainern den Dienst. Pikanterweise sind alle Gruppengegner der Russen nun ebenfalls ohne Coach: Der Franzose Philippe Troussier sucht nach seiner erfolgreichen Japan-Aufbauhilfe eine neue Herausforderung, der in die Kritik geratene Belgier Robert Waseige will künftig Standard Lüttich trainieren, und mit Ammar Souayah wechselt der tunesische Verband bereits den vierten Coach binnen eines Jahres aus.

Nach dem Vorrunden-K.o. gegen Senegal und Dänemark war auch Victor Pua in Uruguay nicht mehr zu halten. Srecko Katanec hatte zwar während der WM den Machtkampf mit seinem Star Zlatko Zahovic gewonnen, aber nicht mehr die Energie zum Weitermachen. Obwohl der slowenische Verband weiter mit dem ehemaligen Stuttgarter Bundesliga-Profi arbeiten wollte, trat Katanec zurück. Kroatiens ebenfalls glückloser Trainer Mirko Jozic reichte die Kündigung ein, weil er die ewigen Angriffe der Journalisten leid ist. Mexikos Coach Javier Aguirre trainiert künftig den spanischen Erstligisten Osasuna. Von Nasser Al-Johar ist nicht bekannt, ob er nach dem Debakel Saudi- Arabiens im Amt geblieben ist.

Adegboye Festus Onigbinde in Nigeria und Jomo Omo in Südafrika hören zwar als Trainer auf, bleiben aber ihren Verbänden erhalten. Beide sollen den Posten des Technischen Direktor bekommen. Zwei "Altstars" ihrer Zunft hatten von vornherein ihr Engagement bis zur Weltmeisterschaft befristet. Cesare Maldini (70) wird nach der Achtelfinal-Niederlage mit Paraguay gegen Deutschland Talentspäher, Bora Milutinovic (61) will sich nach seinem China-Abenteuer erst einmal zurückziehen und privatisieren. Sicher aber wird man den Weltenbummler, der mit fünf verschiedenen Mannschaften in Folge an einer WM teilnahm, auch 2006 in Deutschland sehen.

Ob dann auch Winfried Schäfer wie von ihm angestrebt noch auf der Trainerbank von Kamerun sitzt, ist offen. Die Verhandlungen laufen noch. Andere werden wohl den Posten wechseln, weil sie zu erfolgreich geworden sind. Bruno Metsu, der für nur 10.000 Dollar monatlich die WM-Überraschung Senegal trainiert, soll sich vor lukrativen Angeboten kaum mehr retten können. Und auch für Südkoreas neuen Volkshelden Guus Hiddink wird wohl gelten: Gehen, wenn es am Schönsten ist.(APA)

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