Kriminalpsychologe soll Linzer "Feuerteufel" überführen

20. Juni 2002, 11:41
posten

Seit fast zwei Jahren sorgt ein unbekannter "Zündler" für Angst unter den 1.500 Mietern einer Wohnanlage in Linz- Bisher gab es neun Brände

Linz - Im Fall eines Linzer "Feuerteufels" überlegt die Kriminalpolizei nun, den bekannten Wiener Kriminalpsychologen Thomas Müller einzuschalten. Der Experte, der unter anderem bereits bei spektakulären österreichischen Kriminalfällen wie der "Briefbomben-Causa" ein genaues Täterprofil erstellte, soll dazu beitragen, die unheimliche Brandserie zu beenden.

Unbekannter "Zündler"

Seit fast zwei Jahren sorgt ein unbekannter "Zündler" für Angst unter den 1.500 Mietern einer Wohnanlage am Kainzweg in Linz, nur rund 200 Meter Luftlinie von der Bundespolizeidirektion entfernt. Man werde alle neun Fälle noch einmal genau überprüfen und mit hoher Wahrscheinlichkeit den "FBI-Experten" Müller zu Rate ziehen, erklärte ein Sprecher der Kripo am Donnerstag gegenüber der APA.

Im Oktober 2000 legte der Täter das erste Mal Feuer in einem Kellerabteil der Wohnanlage. Nachdem er daraufhin noch weitere fünf Mal zündelte, wurde von Seiten der Wohnungsgenossenschaft zum Schutz der verängstigten Mieter im Februar 2002 ein so genanntes Maßnahmenpaket beschlossen. Regelmäßige Kontrollgänge eines privaten Wachdienstes und Videoüberwachungsanlagen sollten den Unbekannten überführen. Zusätzlich wurden auch bauliche Veränderungen, wie etwa der Austausch der Schließsysteme und eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten, vorgenommen.

Ständige Angst vor einem weiteren Brand

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gelang es dem Brandstifter noch drei weitere Male zuzuschlagen. Bei allen bisherigen Bränden konnten die Hausbewohner rechtzeitig von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. "Trotzdem schränkt diese ständige Angst vor einem weiteren Brand die Mieter in ihrer Lebensqualität enorm ein und auch das Misstrauen unter den Bewohnern ist groß", beschreibt die zuständige Hausmeisterin die Stimmung innerhalb der Wohnanlage.

Thomas Müller ist Leiter der seit 1992 bestehenden Abteilung "Kriminalpsychologischer Dienst" im österreichischen Innenministerium. Der Experte absolvierte unter anderem eine Fachausbildung an der FBI Akademie in Virginia, USA. Maßgeblich war der Psychologe zum Beispiel auch an der Beweisführung gegen den des mehrfachen Mordes verdächtigten "Häfnpoeten" Jack Unterweger beteiligt. Auch bei der Jagd nach Brandstiftern hat Müller bereits Erfahrung: Als vor drei Jahren die Bewohner im oberösterreichischen St. Georgen durch insgesamt 13 Brände in Angst und Schrecken versetzt wurden, war Müller ebenfalls maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt. (APA)

Share if you care.