Mediale Sexwelt klärt wichtige Fragen nicht

20. Juni 2002, 12:40
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Umfrage: Viele Burschen finden Pornos aufklärend - Persönliche Lebenswelt bleibt neben Stereotyp-Vermittlung auf der Strecke

Wien - Praktisch alle Jugendlichen in Österreich kennen die Verhütungsmittel Pille und Kondom, aber nur sechs Prozent der Mädchen und vier Prozent der Buben sind über die "Pille danach" informiert. Das ergab die Umfrage "Das erste Mal", die am Donnerstag von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde.

"Für drei Viertel aller Jugendlichen ist das Kondom die Methode schlechthin beim 'ersten Mal', aber zehn Prozent haben nicht verhütet", so Prof. Karl Philipp, Primarius der geburtshilflichen-gynäkologischen Abteilung des Donauspitals im SMZ-Ost. Die Studie basiert auf einer Erhebung mit 1.044 TeilnehmerInnen. Die Befragung wurde an Wiener Schulen und österreichweit im Internet durchgeführt.

Pornos als geeignete Informationsquelle

94 Prozent aller 14-Jährigen halten sich in sexuellen Dingen ganz oder ziemlich aufgeklärt, aber vier von fünf Jugendlichen wissen nicht, wann eine Frau am leichtesten schwanger werden kann. Mit 14 Jahren hat bereits etwa die Hälfte aller Teenager Erfahrung mit Petting gemacht hat. 41 Prozent aller befragten männlichen Jugendlichen erachten Pornos als geeignete Informationsquelle für ihre Aufklärung.

Die Ergebnisse könnten den Eindruck erwecken, dass Jugendliche großzügiger und offener in ihrer Sexualität als noch vor zehn Jahren sind. Doch mit dem 16. Geburtstag hat gerade einmal die Hälfte aller Buben und Mädchen Koituserfahrung, hieß es bei der Pressekonferenz. Außerdem stuften die Jugendlichen Treue als "total wichtig" innerhalb einer Beziehung ein.

Eltern als AnsprechpartnerInnen

"Eltern sind nach wie vor Ansprechpartner in Fragen der Sexualerziehung, aber Jugendliche suchen vermehrt Informationen außerhalb der Familie." Das sagte Univ.-Prof. Peter Wagenbichler, Präsident der ÖGF und ärztlicher Leiter der Ignaz Semmelweis-Frauenklinik.

Mediale Sexwelt klärt wichtige Fragen nicht

"Jugendliche schöpfen ihr Wissen oft aus Quellen, die Stereotype vermitteln und Bilder entstehen lassen, die fern der Realität liegen", berichtete Bettina Weidinger, Autorin der Studie. Teenagern werde durch eine mediale Sexwelt vorgeschrieben, in welcher Intensität, Dauer und Praktik Sex ablaufen soll, andererseits würden sie oft mit den für ihre Lebenswelt wichtigen Fragen im Stich gelassen.

Der ÖGF informiert anonym und kostenlos an Schulen und in Beratungsstellen. Eine neue "First Love"-Serviceeinrichtung wurde im SMZ-Ost Donauspital eröffnet. Dort gibt es zum Beispiel ein explizites Angebot für Burschen, das Auskünfte durch einen Urologen und einen Gesundheitspsychologen inkludiert. (APA)

Hotlines der First Love Beratungsstellen in Wien:
01 - 28-80-20 (SMZ Ost), 01 - 711-65/4712 (Rudolfsstiftung), 01 - 486-53-98 (Ottakring); Telefonberatung Herzklopfen: 0800-20-60-60
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