Jack Unterweger - verurteilter Serienmörder und "Häfenliterat"

20. Juni 2002, 11:51
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Lange galt Unterweger als Musterbeispiel einer geglückten Resozialisierung...

Wien - Der Fall Helfried B. (36), der vier Prostituierte getötet haben soll, weckt Erinnerungen an die Causa Jack Unterweger: Der Steirer, der im Dezember 1974 in Deutschland eine junge Frau erwürgt hatte und am 19. Oktober 1976 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, machte zunächst als "Häfenliterat" auf sich aufmerksam. Nach seiner Entlassung auf Bewährung wurde Unterweger 1994 erneut unter dem Verdacht des Serienmordes vor Gericht gestellt. Der Steirer erhängte sich nach dem Schuldspruch in seiner Zelle.

Unterweger hatte 1975 wegen Mordes lebenslänglich erhalten. Im Mai 1990, acht Jahre nachdem in der Nummer 75 der renommierten Grazer Literaturzeitschrift "Manuskripte" der erste Teil seines autobiografischen Romanes "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus - Report eines Schuldigen" erschien, wurde er auf Bewährung aus der Strafanstalt Stein entlassen - als Beispiel einer geglückten Resozialisierung.

"Fegefeuer" wurde 1988 von dem Grazer Wilhelm Hengstler verfilmt (mit Bobby Brem, Jürgen Goslar und Jeanette Mühlmann). Nach seiner Haftentlassung schrieb Unterweger ein zweites Buch unter dem Titel "Kerker", sein Theaterstück "Kerker oder Im Namen der Republik" hatte im November 1990 im Wiener Theater "Tribüne" Premiere. Mit "Schrei der Angst" folgte ein weiteres Theaterstück zum Thema soziale Ausgrenzung von Aids-Patienten.

Unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Haft begann der Steirer mit Leseabenden, die ihn durch ganz Österreich und ins Ausland führten. Diese Veranstaltungen sollten auch im Zusammenhang mit den Prostituiertenmorden Bedeutung bekommen.

Am 13. Februar 1992 erließ das Landesgericht Graz neuerlich einen Haftbefehl. Nach einer abenteuerlichen Flucht wurde Jack Unterweger Ende Februar in Miami gefasst und Ende Mai 1992 nach Österreich überstellt. Am 20. April 1994 begann im Grazer Landesgericht der Prozess gegen den "Häfenliteraten" - oder "Knastpoeten", wie ihn die deutsche Presse apostrophiert. Dem 43-Jährigen wurden zwischen September 1990 und Juli 1991 ein Mord in Prag, ein weiterer in Bregenz, zwei im Raum Graz, vier im Raum Wien und drei in Los Angeles zur Last gelegt.

Wenige Stunden nach seiner Verurteilung wegen neunfachen Prostituiertenmordes beging Unterweger Selbstmord. Am 29. Juni um 3.00 Uhr war er noch in seinem Bett in seiner Zelle gelegen. Bei der nächsten Nachschau gab es Alarm: Unterweger hatte sich an der Vorhangstange der Toilette mit Hilfe des Bundes seiner Jogginghose erhängt. Das Urteil wurde wegen des Todes Unterwegers nie rechtskräftig. (APA)

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