Drei Stockwerke Österreich

27. Juni 2002, 11:01
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Im ehemaligen Feinkostgeschäft Wild startet ein ehrgeiziges Projekt, das die Welt von der Güte österreichischer Lebensmittel überzeugen will

So ganz leicht zu verstehen ist die Verknüpfung der Agrarmarkt Austria, des Agrar.Projekt.Vereins, der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern und schließlich deren gemeinsamem Kind, dem "culinarium oesterreich" nicht wirklich. Aber egal, das Ziel ist ein hehres, nämlich hochqualitative heimische Lebensmittel marketingtechnisch zu fördern.

Mit diesem Vorhaben durchstöbern die Mitarbeiter des Agrar.Projekt.Vereins seit zwei Jahren das Land nach den ultimativen Schinken, Käsen, Broten und Schnäpsen, um das Gefundene sodann in einem Katalog zusammenzufassen und im Versand anzubieten. Seit Anfang dieser Woche gibt's nun Handfesteres: Ein Geschäft, ein Restaurant, eine Vinothek, drei Stockwerke "culinarium oesterreich" im ehemaligen Feinkostgeschäft Wild am Neuen Markt. 2,2 Millionen Euro investierte Betreiber, Pächter und Geschäftsführer der "culinarium oesterreich Vertriebsges.m.b.H" Reinhard Reitermayer in das Projekt, das Zirbenholz, welches das Restaurant im ersten Stock maßgeblich bestimmt, nicht mitgerechnet. Das sponserte nämlich die Österreichische Bundesforste, Zirbe, weil sie typisch österreichisch sei.

Das Angebot an kulinarischen Erlebniswelten ist jedenfalls enorm: Gleich im Eingangsbereich hat es so eine Art Stehcafé, in die mit heimischer Spitzenware äußerst gut befüllte Vinothek im Keller integrierte man klarerweise einen Heurigen, Bars und Theken an allen Ecken und Enden. Für die Küche - übrigens offen, weshalb man das typisch österreichische Küchengeräusch in Form des geklopften Schnitzels auch deutlich vernehmen kann - holte man sich Günter Drauch-Jost, der nach sieben Jahren Post in Lech (zwei Hauben) wieder Lust auf Großstadt hatte. Wobei die Vorgabe eine nicht gerade geringe ist, nämlich mit heimischer Ware auszukommen, was im Jänner freilich ein bisschen hart wird. Momentan schöpft er jedenfalls aus dem Vollen, etwa in Form eines gebratenen Filets vom Alpenlachs auf mariniertem Lauch und Tomaten (EURO 12,50) oder eines in zarten Pastellfarben und -Aromen gehaltenen gebratenen Kaninchenfilets mit kleinem buntem Salat und steirischem Winzerrohschinken (EURO 11,80) bei den Vorspeisen. Fein und zart auch die Petersilienschaumsuppe, wobei die Saibling-Stückchen weder optisch noch geschmacklich ins Gewicht fallen (EURO4,60), bei den Hauptspeisen gibt's traditionell Wienerisches und noch mehr Gerichte der leichten und zarten Art. Zum Beispiel sehr gute gebackene Palatschinken vom Bachsaibling mit einem hellgrünen Kohlrabi-Gurkengemüse (EURO 16,50).

Reinhard Reitermayers größter Wunsch ist es, das "culinarium oesterreich haus" auch im Ausland zu plazieren, und so die Kunde von der heimischen Spitzenqualität zu verbreiten, London wär ihm da etwa sehr recht. Zumindest bei den Preisen müsste er sich dafür nicht mehr sehr verändern. (Florian Holzer/Der Standard/rondo/21/6/02)

culinarium oesterreich haus
Neuer Markt 10-11
1010 Wien
Tel. 01/513 82 81
tägl. 11-24 Uhr
(Geschäft Mo-Fr 8-19, Sa 9-17 Uhr)
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