+++PRO & CONTRA--- Eiswürfel

27. Juni 2002, 12:44
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Der eisige Weggefährte zwischen "Brain on the Rocks" und kulinarischer und hygienischer Unsitte

+ + + PRO

Karl Fluch

Eiswürfel zählen zu meinen ständigen Untermietern. Schon lange. Nicht nur, dass sie das erste Gericht waren, dass ich selbst koch . . . - na ja, sagen wir, zubereiten konnte, nein, auch sonst erwies sich das in Form gebrachte Wasser aus dem Tiefkühlfach über die Jahre als treuer und nützlicher Weggefährte. Denn als ich mich so langsam vom in Most getränkten Schnuller über den Pfiff, vorbei an der Unnötigkeit, die sie Seidel nennen, zu den Erwachsenengetränken hocharbeitete, kreuzten die Eiswürfel immer öfter meinen Weg.

Unlängst kam es in der Vorhölle einer Absinth-Bar, in der man als modern tuender Mensch ja zurzeit gerne gesehen wird, wieder einmal zu so einem Treffen. In dankbarer Ergebenheit versuchte ich, den armen Dingern den langsamen Tod im Glas - also ihre gottgewollte Bestimmung - zu ersparen, und füllte zügig "Mata Haris" in meinen Körper. Fragen Sie mich nicht, warum das trübe Gesöff so heißt. Fragen Sie mich am besten überhaupt nicht nach diesem Abend, denn die einzige Erinnerung, die ich daran besitze, ist, dass ich tags darauf zu Hause, am Ende einer Spur der Verwüstung, aufgewacht bin.

Nach einer - zum Glück! - erfolglosen Suche nach eventuellen weiteren Scheintoten und der Feststellung, dass in meiner Gedächtnishalle die Hammerwerfer trainieren, ging es in angemessenen Serpentinen Richtung Kühlschrank. Den daneben liegenden Beutel mit medizinischen Eiswürfeln gefüllt - und zweimal Umfallen später befand ich mich zwecks Rehabilitationsliegen wieder am Bett.

"Brain on the Rocks", wie wir Katerspezialisten das nennen.

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- - - CONTRA

Ute Woltron

Das Eis hat im Becher nichts zu suchen, es genügt eine schlichte Auflistung aller seiner Untugenden, um das zu beweisen:
1.: In fernen Ländern und in Tropengefilden vermeidet jeder, der bei Sinnen und abseits touristischer Trampelpfade ist, das Eiswürferl, weil nur sein Produzent sagen kann, aus welchem Wasser es gemacht ist. Lassen Sie, sagen wir, irgendwo zwischen Iquitos und Brasilia, unauffällig ein paar Brocken zergehen. Versuchen Sie, das trübe Resultat zu vergessen und wenden Sie sich ab vom Eis.
2.: Auch in der Heimat kommt es viel zu häufig zu unhygienischen Grauslichkeitszuständen, wenn dem Eis noch dieser widerliche typische Kühlschrankduft anhaftet, der jegliches Getränk versaut.
3.: Apropops Getränke versauen: Eine amerikanische Unsitte ist längst zu uns herübergeschwappt, nämlich das Getränkeeinkommenveredeln in den Gaststätten durch den unmäßigen und flüssigkeitsverdrängenden Gebrauch von Eiswürferln im Glas. Angefangen hat das im Becher und bei Mac Donalds. Drei Viertel Eis, ein Viertel Gesöff. Wie komm ich eigentlich dazu, eine Gastritis um teures Geld absichtlich zu erwerben?
4.: Zuletzt der nicht zu vernachlässigende und zugegebenermaßen subjektiv kulinarische Aspekt. Ich behaupte jedenfalls, dass lauwarmer Orangensaft nach mehr schmeckt, als eiskalter, eiswürferlverwasserter, was mich zu Punkt
5. überleitet: Wenn kalt, dann Spritzer. Aber ohne Eiswürferl. Spritzertrinken mit Eiswasser ist ja wohl überhaupt das Letzte.

(DER STANDARD/rondo/21/06/02)

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