Nokia senkt Umsatzprognose erneut

20. Juni 2002, 12:23
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Nur mehr zehn Prozent Wachstum erwartet - RZB: Techsektor unterbewerten

Helsinki/Wien - Der finnische Mobiltelefon-Hersteller Nokia hat am Donnerstag seine Umsatzprognose für das zweite Halbjahr 2002 auf ein Plus von bis zu zehn Prozent gesenkt. Bisher war der Konzern auf Jahresbasis von einem Umsatzwachstum von mindestens 15 Prozent ausgegangen. Ab 2003 werde ein jährliches Gewinn- und Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent angestrebt, teilte Nokia in Helsinki mit.

Zugleich bekräftigte das Unternehmen seine frühere Gesamtjahresprognose für den Pro-Forma-Gewinn je Aktie (verwässert) von 0,83 Euro. Nokia senkte seine Umsatzerwartung zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten wegen anhaltend schleppender Nachfrage bei Handys und Netzwerken. Den weltweiten Mobiltelefonabsatz sieht das Unternehmen für 2002 unverändert bei 400 bis 420 Millionen Einheiten nach rund 380 Millionen Stück im Vorjahr und strebt weiterhin einen weltweiten Marktanteil von 40 Prozent an.

RZB: Technologiesektor untergewichten

Nach der Umsatzwarnung raten die Analysten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) den Technologiesektor vorerst unterzugewichten. Die Meldung von Nokia reihe sich nahtlos in die Welle negativer Nachrichten aus dem Technologiesektor ein. Zuletzt haben mit Oracle, AMD, Apple und Ciena Unternehmen aus allen Unterbranchen des Technologiesektors pessimistische Aussagen verlauten lassen. Der Leiter der RZB-Aktienanalyse Helge Rechberger rät daher Technologie-Aktien vorerst zu meiden.

"Auf Grund der Tatsachen, dass wir diesen Trend noch nicht abgeschlossen sehen, die Charttechnik weitere Kursrückgänge anzeigt und die Bewertungssituation nach wie vor kein Auffangnetz bietet, erwarten wir weitere Kursrückgänge im Technologiesektor", so der RZB-Experte. Dabei sei zumindest ein Test der September-Tiefstände zu erwarten. Rechberger empfiehlt kurzfristig orientierten Anlegern den Verkauf bestehender Positionen und würde in einer taktischen Asset Allocation den Sektor untergewichten.

Vorsichtig gibt sich die RZB auch für die Nokia-Aktie selbst. Nokia habe mit der Meldung von Donnerstag bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Monate die Umsatzerwartungen korrigiert. Dass die Gewinnschätzung während dessen nicht verändert werden musste, deute darauf hin, dass die Zeiten für die Zulieferer noch schwerer werden könnten. Das von Analysten geschätzte, langfristige Gewinnwachstum beläuft sich gemäß IBES auf 15 Prozent, in diesem Zusammenhang sind also deutliche Revisionen zu erwarten. (APA/Reuters)

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