Sonnencreme ist kein Freibrief zum "Braten"

20. Juni 2002, 07:51
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Das UV-Lichts erreicht uns selbst dort, wo die Sonne nicht direkt hin scheint

Wien - Bei über 30 Grad flüchtet sich Österreich in den Schatten. Selbst dort, wo die Sonne nicht direkt hin scheint, erreichen uns im Freien aber noch rund 50 Prozent ihrer Strahlen. Sonnenschutzmittel wehren eine gewisse Zeit lang einen Teil des UV-Lichts ab. Sie sind aber kein Freibrief zum "Braten", warnen Hautärzte.

Hauttyp und Lichztschutzfaktor

Rechnen mit dem Lichtschutzfaktor: Zunächst muss man wissen, welchem Hauttyp man angehört. Dermatologen unterscheiden vier Kategorien.

Hauttyp 1: Wird in der Sonne immer rot, nie braun; Eigenschutzzeit fünf bis zehn Minuten "Keltischer Typ"; zwei Prozent der Bevölkerung Hauttyp 2: Wird in der Sonne immer rot, manchmal braun; Eigenschutzzeit zehn bis 20 Minuten "Germanischer Typ", hellhäutiger Europäer; zwölf Prozent Hauttyp 3: Wird in der Sonne manchmal rot, immer braun; Eigenschutzzeit 15 bis 25 Minuten dunkelhäutiger Europäer; 78 Prozent Hauttyp 4: Wird in der Sonne nie rot, immer braun; Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten "Mediterraner Typ", acht Prozent

Hauttyp hängt von der Melaninproduktion ab

Der Hauttyp hängt davon ab, in welchem Ausmaß die Haut Melanin produzieren kann. Das ist jenes Pigment (Hautfarbstoff), das für die Bräune sorgt und gleichzeitig vor Sonnenlicht schützt. Haar- und Augenfarbe sind jüngeren Untersuchungen zufolge sehr unsichere Bestimmungsfaktoren. Es gibt viele Blonde, die Sonne gut vertragen, und Dunkelhaarige, die häufig unter Sonnenbrand leiden. Ziemlich eindeutig ist die Lage nur bei sommersprossigen Rothaarigen, die fast durchwegs dem Hauttyp 1 zuzuordnen sind. Am wichtigsten ist daher die Selbstbeobachtung: Wie viel Sonne tut mir gut, wann ist es genug?

Eigenschutzzeit

Rechenbeispiel mit dem Lichtschutzfaktor: Die auf dem Produkt angegebene Ziffer ist jener Faktor, mit dem man die individuelle Eigenschutzzeit multipliziert. So erhält man die Zeitspanne, während der man sich eingecremt in der Sonne aufhalten kann. Ein Mensch vom Hauttyp 2 (Eigenschutz zehn bis 20 Minuten) muss ein Produkt mit Faktor 10 verwenden, um 100 bis 200 Minuten bzw. eine Stunde 40 Minuten bis drei Stunden 20 Minuten sonnen zu können, ohne dass die Haut sich rötet.

Sonnenzeit sollte immer nur zu maximal zwei Drittel ausgenützt werden

Hautärzte haben so ihre Zweifel: Die errechnete Sonnenzeit sollte immer nur zu maximal zwei Drittel ausgenützt werden. Wer immer ans Limit geht, riskiert lichtbedingte Hautschäden, vorzeitige Falten und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Die Anti-Sonnenbrand-Substanzen werden ja im Labor getestet, im Strandbad geht es anders zu. Nachcremen verlängert die Schutzzeit übrigens nicht, sondern erhält höchstens den vorhandenen Schutz trotz Schweiß, Wasser und Sand aufrecht.

Ob Sonnenschutzmittel UV-Schäden verhindern können ist noch ungeklärt

Auf keinen Fall sollte man davon ausgehen, mit hohen Schutzfaktoren - erhältlich sind vielfach schon Produkte bis Nummer 60 - ungestraft einen ganzen Tag in der Sonne bleiben zu können. Denn ob Sonnenschutzmittel verhindern können, dass das UV-Licht Zellen schädigt, ist trotz vieler Untersuchungen noch nicht restlos geklärt.

Zusätzliche Sicherheit erhält man durch Bekleidung. Sommerlich dünne Stoffe entsprechen aber nur in etwa einem Lichtschutzfaktor 5.

UV-Strahlen durch Fenstersscheiben

80 bis 90 Prozent der ein Leben lang konsumierten UV-Strahlen nehmen wir übrigens nicht beim Sonnenbaden, sondern bei Sport im Freien, Ausflügen, im Schanigarten, beim Spazierengehen oder durch Fensterscheiben auf. Die häufigsten Ursachen für Sonnenbrand sind Sonnenexposition ohne Schutz, die Auswahl zu niedriger Lichtschutzfaktoren, zu spätes oder erneutes Eincremen nach Ablauf der "erlaubten" Zeit. (APA)

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