Karrierepläne schmieden während der Karenz

19. Juni 2002, 23:25
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Seit April läuft die "EDV-Akademie für Frauen" mit anhaltendem Erfolg

Die EDV-Akademie für junge Mütter räumt mit verstaubten Vorurteilen gründlich auf. Vom angeblichen Desinteresse der Frauen an Technik und am Computer ist im "bit"-Schulungscenter nichts zu bemerken. Im Gegenteil, selten sind die TrainerInnen so ambitioniert und die Lernenden so gierig nach Know-how. Die kostenlose Aktion konnte nur mithilfe der großzügigen Sponsoren Microsoft und Fujitsu-Siemens Computers, die für aktuelle Hardware sorgte, möglich.

Das Unternehmen Microsoft ist eigentlich Initiator dieses arbeitsmarktpolitisch gesehen hervorragenden Programms. Vielen Frauen ging es so wie Karin Stibl, die nach der Babypause zurück ins Büro kam und ihren Sessel zum großen Erstaunen besetzt vorfand. Was tun mit einem vierjährigen Kind und einem dreizehnmonatigen Säugling, wenn einem solche Steine in den Karriereweg gelegt werden? Stibl ließ sich nicht verunsichern und verwandelte die Krise in eine Chance, indem sie sich bei der "EDV-Akademie für Frauen" bewarb.

"Nach dem Kurs kann man wirklich alles aus den Programmen Word, Exel et cetera herausholen. Die Arbeit läuft dann einfach professioneller und schneller ab. Das Tolle an der Akademie ist, dass auf die Kursteilnehmerinnen wirklich eingegangen wird. Wir im MOUS-Kurs (Microsoft Office User Programm) sind neun Leute - da ist es möglich, dass alle auftauchenden Probleme analysiert und gelöst werden können." Stibl, die aus der Systembetreuung kommt, fühlt sich weder über- noch unterfordert: "Unsere Trainerin ist perfekt. Die Lerneinheiten werden eher teamorientiert gebracht, und manchmal ist die Stimmung direkt heiter. Also, EDV kann und soll auch Spaß machen." Von der Methode des Hybridtrainings profitiert Stibl sehr: "Als Mutter ist es mir sehr wichtig, dass genügend Zeit für die Kindererziehung bleibt. Das Programm kann großteils von zu Hause aus absolviert werden. Es ist eine faszinierende Mischung aus klassischen "Face-to-Face"-Seminaren und E-Learning-Komponenten. Etwa 20 Stunden in der Woche muss man für das Selbststudium online von zu Hause aus rechnen. Man kann sich also einteilen, wann man den Lernstoff über das Portal abruft. Wenn man mal nicht weiterweiß, kann man mit Kolleginnen online diskutieren oder einen Tutor via E-Mail befragen. Ohne die Anwesenheit in den bit-Schulungsräumen und dem ,normalen' Austausch unter den Kolleginnen aber würde das nicht so reibungslos funktionieren. Wir kommen jede Woche an einem Abend für etwa drei Stunden hierher und setzen uns intensiv mit dem Stoff auseinander. Denn schließlich sind wir nach Abschluss industriezertifiziert - gut für die Industrie und gut für uns!" Stibl wünscht sich einen Job im Backoffice, der ihr Flexibilität beim ,Familienmanagement' garantiert. Kein Luftschloss, sondern ein erfüllbares Ziel.

Dodo Kresse - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 20.6.2002

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