Gut wie ein Fonds, handlich wie eine Aktie

19. Juni 2002, 19:58
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"ETFs": Boom an den Börsen

Die Erfolgsgeschichte der börsenotierten Investmentfonds ist beeindruckend. Sie werden kurz ETF oder XTF genannt.

Gab es Anfang 2001 erst sechs europäische ETFs mit einem Volumen von 760 Mio. Euro, so werden bis dato an den europäischen Börsen rund 70 solcher Fondsprodukte mit einem Volumen von über 7,5 Milliarden Euro gehandelt.

Passiv gemanagte Aktienfonds

Ein Blick hinter die Kulissen erklärt die Gründe für den Erfolg des wachstumsstärksten Marksegments im Börsehandel: ETFs sind meist passiv gemanagte Aktienfonds - hier bildet der Fondsmanager nur den Index nach und versucht nicht, wie bei aktiv gemanagten Fonds, Aktien im Vergleich zum Index überzugewichten - mit den Vorteilen von Indexfonds plus den Vorzügen von Aktien.

Der Käufer solcher Produkte profitiert dadurch von der Risikostreuung durch die Vielzahl an Aktien, kann jedoch sein Portfolio jederzeit zu geringen Transaktionskosten an der Börse veräußern. Anfallende Dividenden werden nicht reinvestiert, sondern direkt ausgeschüttet.

Kurs ständig abrufbar

Findet bei herkömmlichen Fonds die Preisfestsetzung nur einmal am Tag statt und müssen ihre Kurse oft mühsam in diversen Medien gesucht werden, so können ETFs zu den üblichen Handelszeiten laufend gehandelt werden. Ihr Kurs ist via Internet ständig abrufbar. Ein weiterer Vorteil ist die geringe Geld-Brief-Spanne (zirka 0,06 Prozent) und die ausgezeichnete Liquidität, welche von Market-Makern laufend verpflichtend gewährleistet wird.

Werden bei vielen Fonds noch Ausgabeaufschläge von fünf Prozent und versteckte Nebengebühren abgezogen, so zahlt man beim Kauf eines ETFs über die Börse nur die üblichen Transaktionskosten und je nach Anbieter meist nur eine geringe (oft nur 0,5 Prozent) All-in-Management-Fee. Weiß der Käufer eines herkömmlichen Fonds meist nicht, welche Papiere in seinem Korb liegen und was sie momentan wirklich wert sind, so wird die Fondszusammensetzung bei ETFs meist taggleich publiziert und von der Deutschen Börse alle 60 Sekunden der tatsächliche Wert berechnet. Das heißt ,der ETF-Inhaber hat minütlich absolute Transparenz über seine Veranlagungen.

Steigende Volumina

Die steigenden Volumina der ETFs - über 400 Millionen Euro täglich an der Deutschen Börse (rund achtmal so viel wie der gesamte Wiener Börseumsatz) - veranlassten auch die britisch-schweizerische Börseplattform virt-x, im Mai mit 23 Fondprodukten einen eigenen Börsefondhandel zu starten. Marktführer in Europa ist die Deutsche Börse. Der größte börsenotierte Indexfonds ist der DAX EX (Wertpapierkennnummer 593393), der wie die Österreichischen Aktien auf der Handelsplattform Xetra gehandelt wird.

Der beliebten Spezies wird weiter fast gigantisch anmutendes Wachstum unterstellt: Experten rechnen, dass dieses Segment innerhalb von wenigen Jahren die 100-Milliarden-Euro-Schallmauer durchbrechen wird. (Ulrich Baumann, DER STANDARD, Printausgabe 20.6.2002)

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