Teure Kapitalgarantien

19. Juni 2002, 19:31
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Für Garantieprodukte spricht die Psychologie: Es lebt sich angenehmer ohne die Furcht, noch einmal Geld in den Sand zu setzen. Empfohlen werden die Neuen auch für Einsteiger, die sich nicht besonders exponieren wollen. Immerhin gehen sie nach dem Kauf nach Hause und haben das Gefühl, dass ihr Geld wenigstens nicht weniger wird, sie aber trotzdem am Kapitalmarkt - geschützt vor Kursverlusten - dabei sind.

Tücken

Einige Tücken stecken allerdings in den Produkten: Eine mehrjährige (fünf bis zehn Jahre) Bindung ist notwendig, die Kapitalgarantie gilt meist nur, wenn das Produkt auch bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird. Wer früher aussteigt, realisiert die Verluste. Gleichzeitig ist die Transparenz bei der Risikokomponente, die gewisse Prozentsätze von Börsenaufschwüngen verspricht, nicht wirklich gegeben.

Die Kapitalgarantie kostet Geld: Das wird im Teil zwei der Konstruktionen abgezogen. Entwickeln sich die Aktienmärkte gut, dann können solche Produkte zum Hemmschuh werden, die wirkliche Teilhabe verhindern. Die gesamte Habe in Garantieprodukte zu investieren kann also ganz schön ärgerlich werden. Gehen die Märkte seitwärts, dann bleibt bei Anleihen mehr übrig, die Kosten für die Kapitalgarantie zahlen sich also nicht aus. Besonders negativ wäre es, wenn nicht einmal die Verzinsung garantiert ist.

Vorsicht bei "Trendprodukten"

Prinzipiell ist bei allen "Trendprodukten" Vorsicht angeraten: Wenn etwa Techfonds dem breiten Publikum angetragen werden, dann geht dieser Zyklus schon zu Ende, die Großen machen sich schon wieder ans Aussteigen. Sobald Massen einsteigen, steigen Weise wieder aus, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Einige Börsianer sagen schon jetzt: Wenn alle aus Angst vor weiterem Börsetief Garantieprodukte kaufen, dann ist der Aufschwung sicher nah. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 20.6.2002)

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