Verwirrung um die Besteuerung

19. Juni 2002, 19:30
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Die Steuervorschriften bereiten selbst Experten Kopfzerbrechen

Es ist alles sehr kompliziert. Der legendäre Satz aus Österreichs Innenpolitik trifft auch bei der Fondsbesteuerung den Nagel auf den Kopf: Ob Aktien- oder Rentenfonds, ob im In- oder Ausland emittiert - jeder Fondstyp hat seine eigenen steuerlichen Regeln. Trotz reger Diskussionen fehlt bislang eine einfach durchschaubare und einheitliche Besteuerung aller in Österreich erhältlichen Investmentfonds. "Auch im Finanzamt versteht man die Fondssteuern oft nicht", bringt Berndt May, Österreich-Geschäftsführer von J. P. Morgan Fleming und Vorstandsmitglied der Vereinigung ausländischer Investmentfonds in Österreich (VAIÖ) die Dinge auf den Punkt. Knackpunkt ist seit Jahren die unterschiedliche Besteuerung von in- und ausländischen Fonds. Grob skizziert:

  • Derzeit werden Zinserträge und Dividenden österreichischer Fonds mit 25 Prozent endbesteuert. Diese Kapitalertragssteuer (KESt) wird direkt von der Fondsgesellschaft an das Finanzamt abgeführt.
  • Zinserträge und Dividenden ausländischer Fonds hingegen müssen in der jährlichen Steuererklärung deklariert werden und unterliegen der Tarifbesteuerung, können also mit bis zu 50 Prozent besteuert werden.
  • Kursgewinne in österreichischen Aktienfonds sind seit Einführung der berüchtigten Fondssteuer per 1. 1. 2001 mit fünf Prozent zu versteuern. Auch diese Steuer zieht die Fondsgesellschaft dem Anleger automatisch ab.
  • Kursgewinne ausländischer Aktienfonds unterliegen der gefürchteten 2,5-prozentigen Sicherungssteuer vom Rechenwert des Fonds. Diese kann man nur vermeiden, wenn man seine Kapitalerträge dem Finanzamt meldet.

Ein im April verlautbartes Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, wonach künftig auch für ausländische Rentenfonds die KESt-Endbesteuerung gelten solle, sorgte beim VAIÖ für Jubel. Berndt May: "Hoffentlich gibt das VfGH-Erkenntnis Anlass, dass endlich eine klare Steuerregelung für alle Fonds gefunden wird." Sein Vorschlag: Die Differenz zwischen dem Rechenwert des Fonds zu Jahresbeginn und zum Jahresende plus einer möglichen Ausschüttung sollen die Steuerbasis bilden.

Robert Schredl, Steuerexperte der Capital Invest KAG, dämpft postwendend die Erwartungen für steuerehrliche Anleger: "Ich erwarte lediglich, dass der Steuersatz mit 25 Prozent vereinheitlicht wird. Erträge aus ausländischen Fondsanteilen wird man vermutlich weiterhin extra an das Finanzamt melden müssen." Ob für den Anleger eine halbwegs übersichtliche Lösung herauskommt, wird sich in den nächsten Monaten weisen. Für hitzige Diskussionen dürfte aber gesorgt sein. (Gerlinde Maschler, DER STANDARD, Printausgabe 20.6.2002)

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