Neuordnung in den Fondsregalen

19. Juni 2002, 19:28
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Zwei verlustreiche Jahre an den Börsen und ein ungewisser Ausblick hinterlassen ihre Spuren in der Branche - und ihrer Angebotspalette

Mit dem Ende der Boomjahre an den Aktienbörsen ist auch die Fondsbranche in zunehmend schlechte Stimmung gerutscht. Die zweistelligen Wachstumsraten Ende der 90er-Jahre sind Geschichte. Wer heuer keine Fonds zusperren muss, Kunden vom Umschichten statt vom Davonrennen überzeugen kann und unter dem Strich vielleicht noch ein kleines Wachstumsplus erwirtschaftet, darf sich schon sehr glücklich preisen.

"Wir müssen uns an die Normalität gewöhnen", formuliert Mathias Bauer, Chef der größten heimischen Kapitalanlagegesellschaft im Hause Raiffeisen. Das heißt: Die Zeiten zweistelliger Renditen sind vorbei, sieben bis acht Prozent auf der Aktienseite, rund zwei Prozent weniger bei den Anleihen, das sind realistische Erwartungen für die Geldvermehrung der kommenden Jahre.

Zunächst müssen aber die Verluste verdaut werden, müssen Konjunktur und Unternehmensgewinne wieder nachhaltig nach oben weisen. Die Hoffnungen dafür ruhen im vierten Quartal.

"Alle wollen Sicherheit"

Ächzen hört man aus der Branche rundum, bei in- wie ausländischen Fondsgesellschaften. "Die Leute sind erschöpft von den labilen Börsen", beschreibt Franz Geschiegl, Vorstand der Erste-Sparinvest. Vor drei Jahren wollte breites Publikum viel Risiko nehmen, also Aktienfonds mit hoher Renditeerwartung kaufen. Jetzt hat sich die Welt ins Gegenteil verkehrt: "Alle wollen Sicherheit, keine Bindung, kein Risiko".

Zwei Jahre mit Geldverlust liegen hinter den Anlegern, Verunsicherung und Skepsis sind groß. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Vorsorge und Geld für den Ruhestand groß. Bis jetzt haben die Österreicher rund 88 Mrd. Euro in rund 4700 angebotene Fonds investiert. Insofern ist Österreich ein richtiges Fondsland, mit über 10.000 Euro Fondseinlage pro Kopf, was Platz vier in Europa (nach Luxemburg, Irland und Frankreich) ergibt.

Angst verstärkt

Jahrelang sind Kunden auch in Aktienfonds geleitet worden, Aussendungen, Charts, Präsentationen - alle haben glaubhaft gemacht, dass in Aktien die Renditechance steckt, Anleihen dagegen ziemlich fad sind. Auf einen Zeitraum von zehn Jahren ist das auch belegbar, lassen sich Kursschwankungen auch ausgleichen. In kürzeren Perioden sieht das aber anders aus, besonders wenn Anleger beim Dotcom-Hype dabei waren. Die Statistik weist auch nur die Hälfte der heimischen Fonds im Jahr 2001 mit positiver Performance aus. Die Angst vor ständiger Ausweitung der Verluste hat sich verstärkt.

Produkte für die neue Befindlichkeit

Für die neue Befindlichkeit ihrer Kunden haben sich die Anbieter auch schon entsprechende Produkte ausgedacht.

Ein Gutteil der neuen Gelder fließe wieder auf das gute alte Sparbuch, heißt es, bei den Österreichern seien Geldmarktfonds nicht begehrt. Neben Garantieprodukten liegen auch klassische Anleihen wieder in der Gunst, die zwar mit rund fünf Prozent Rendite bescheiden anmuten, aber das Sicherheitsbedürfnis befriedigen, bestätigt auch Johann Kernbauer, Vorstand der Capitalinvest. Ihm folgend ist auch eine Reihe höherwertiger Anleihenprodukte auf dem Markt, etwa ein Mortgage-Bondfonds der Sparinvest, der US-Hypothekaranleihen mit Staatsgarantie und Dollar-Absicherung offeriert. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 20.6.2002)

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    foto: photodisc
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