Notrufservice für TV- und Sparprogramm

19. Juni 2002, 19:27
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Kärntner Volksgruppenradio: Kooperation beendet - 12.000 Unterschriften für die "Kunst-Stücke"

Erstes Opfer des Sparkurses im gewendeten ORF ist das slowenischsprachige Volksgruppenradio dva in Kärnten. Generaldirektorin Monika Lindner bringt den Stiftungsräten Mittwoch ihre Kürzungspläne näher, da verlautet aus Kärnten: Mit Jahresende beendet der ORF die Kooperation. Der Sender ist laut dva ohne finanzkräftigen Partner nicht weiterzuführen.

Ins Redemanuskript Lindners fand dva nicht. Auch wenn das Konzept Sparen abseits des öffentlich-rechtlichen Kernauftrags vorsieht: von 3sat und Orchester über Radio Österreich International (ROI) bis zur Champions League. Noch während der Sitzung vermeldet Radio Österreich International, es habe ein "Notrufservice" eingerichtet. Für Hörer im Ausland, nicht für ROI-Mitarbeiter.

Auf welchen der genannten Bereiche der ORF am ehesten verzichten könnte, wollte Lindner nicht verraten. Den halb kommerziellen Spartensender TW1 zählt sie nicht zu "möglichen Potenzialen".

Dass Stifungsräte vor der Sitzung ankündigten, dem Sparkonzept die Zustimmung zu verweigern, war nicht weiter problematisch: Abgestimmt wird über diese mittelfristige Finanzplanung erst im Herbst. Sie soll neuerliche Verluste wie 2002 verhindern.

Betriebsratschef Heinz Fiedler ist das Sparprogramm weiter "zu rigoros, Eingriffe ins Dienstrecht oder Nulllohnrunde kann ich mir nicht vorstellen." Die bürgerliche Chefin des Finanzausschusses, Helga Rabl-Stadler, hat im STANDARD-Gespräch gefordert, ORF-Beihilfen für Wohnen und Kinder zu streichen.

Mehreinnahmen müssen warten, sagt Klaus Pekarek, der FP zugeordneter Vorsitzender des Stiftungsrats. Durchaus wohlwollend auf Herbst vertagt wurde ein Antrag der Grünen: Der Gesetzgeber möge Beschränkungen der Radiowerbung aufheben. Liegt das Sparkonzept vor, will Pekareg derlei aber "nachhaltig einfordern".

"Kunst-Stücke"-Petition

Das erste Opfer des neuen Programmschemas spielte auf dem Küniglberg eine tragende Rolle: Kultur- und Filmschaffende wie Ulrich Seidl ("Hundstage") und Virgil Widrich schleppten 12.000 Protestunterschriften an. Lindner entgegnet: "Wir haben nicht vor, junge Kreative in die Wüste zu schicken." Stiftungsräte berichten, das bürgerliche Mitglied Wilfried Seipel (Kunsthistorisches Museum) konnte gerade noch gebremst werden: Er habe vorgeschlagen, die "Kunst-Stücke"-Petition in den Schemabeschluss einzuarbeiten.

Wenn schon nicht beim Sparen verrät Lindner beim Programm Prioritäten: Kurznachrichten in ORF 1, Vorabendmagazin und "Innovationsfläche" (statt "Kunst-Stücke") für Junge, zudem ein Quizformat für Montagabend. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2002)

Im Wortlaut

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