Sparen und Einstellen

19. Juni 2002, 23:11
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"FAZ" kündigt Mitarbeiter "im unteren dreistelligen Bereich", auch Holtzbrinck plant Personalabbau

Am Mittwoch um 13 Uhr erfuhren jene Mitarbeiter, die es unmittelbar betrifft, offiziell davon: Die Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), die täglich in der deutschen Hauptstadt beiliegen, werden zum Monatsende eingestellt. Die Verträge von rund 20 Pauschalisten dürften gekündigt, freie Mitarbeiter nicht mehr beschäftigt werden. Was mit den zwölf angestellten Redakteuren der Berliner Seiten geschehen soll, die am Vortag nach Frankfurt beordert wurden, ist vorläufig noch offen. Das Projekt sei publizistisch, aber nicht wirtschaftlich erfolgreich gewesen, wurde den Mitarbeitern erklärt.

Die FAZ will im gesamten Verlag "im unteren dreistelligen Bereich" Personal abbauen. Betroffen sind alle Bereiche, von Redaktion über Anzeigen bis zum Vertrieb. Der Verlag, der auch Bücher, Fachzeitschriften und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung herausgibt, beschäftigt insgesamt 1400 Mitarbeiter.

Vor allem das Feuilleton - und damit der dafür verantwortliche Herausgeber Frank Schirrmacher, der jüngst die Debatte um angeblich antisemitische Darstellungen im Buch von Martin Walser auslöste - muss Federn lassen. Rund ein Dutzend vorwiegend jüngerer Journalisten, die vor einem Jahr noch mit einer einjährigen Probezeit angestellt wurden, müssen sich auf den Abschied vorbereiten.

Auch beim Seitenumfang wird gespart - allein im Feuilleton zwei Seiten täglich weniger. Die redaktionellen Umfänge sollen auf das Niveau von 1999 zurückgefahren werden, 17.500 statt 19.000 Seiten pro Jahr, kündigte Geschäftsführer Jochen Becker an. Vorerst von Sparmaßnahmen noch verschont wird die erst vor kurzem gestartete Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Auch bei der Holtzbrinck-Verlagsgruppe sollen bis zu 190 Stellen gestrichen werden. Es steht aber noch die endgültige Entscheidung aus, weshalb eine offizielle Bestätigung dazu auch nicht zu bekommen war. Wie verlautete, steht das Anlegermagazin Telebörse völlig zur Disposition, ebenso die 49-Prozent-Beteiligung am Wall Street Journal Europe. Die Internetaktivitäten sollen "faktisch eingestellt werden", hieß es aus Verlagskreisen. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2002)

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