Marokkos Druckmittel gegen Spanien

19. Juni 2002, 20:18
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Die Straße von Gibraltar und die videoüberwachten Grenzzäune in Spaniens nordafrikanischen Exklaven sind für viele Immigranten und Menschenschmuggler keine großen Hindernisse.

Marokko ist aus spanischer Sicht der Quell allen einwanderungspolitischen Übels. In Madrid hat man vor allem den südlichen Nachbarn im Hinterkopf, wenn man von unkooperativen Drittstaaten spricht. Die 14 Kilometer breite Straße von Gibraltar und die videoüberwachten Grenzzäune in Spaniens nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla sind für viele Immigranten und Menschenschmuggler keine großen Hindernisse.

Madrid ist überzeugt, dass die marokkanischen Behörden die Migrationskontrolle zuweilen auch als politisches Druckmittel einsetzen: Gibt es im bilateralen Verhältnis Spannungen, schwillt die Zahl der Flüchtlinge an. Es liegen genug Kähne auf den nordmarokkanischen Stränden zur Abfahrt bereit.

Spanische Behörden werfen den Marokkanern auch vor, immer mehr Kinder ohne Eltern nach Ceuta und Melilla ausreisen zu lassen. Die Minderjährigen stellen dann Asylanträge, um später ihre Angehörigen hinterherkommen zu lassen. Eine Rüge wegen unangemessener Behandlung der Kinder von der UNO bekam freilich vor kurzem nicht Rabat, sondern Madrid. (jwo, Der STANDARD, Printausgabe, 20.6.2002)

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    In Sevilla besetzten nordafrikanische Migranten die Universität. Sie protestierten dagegen, dass auf den Erdbeerplantagen bei Huelva keine Arbeit mehr fanden. Dieses Jahr wurden stattdessen osteuropäische Arbeiter für die Ernte eingesetzt.

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