Geldvermögensbildung der privaten Haushalte ist gebremst

19. Juni 2002, 15:37
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Weniger Bankkredite im Vorjahr - Rückgang bei Bargeldhaltung durch den Euro

Wien - Die privaten Haushalte erhöhten im Jahr 2001 ihr Geldvermögen weniger stark als im Jahr davor. Das gesamt Geldvermögen der Privaten (inklusive Organsationen ohne Erwerbszweck wie beispielsweise Kirchen und Gewerkschaften) belief sich Ende 2001 laut heute veröffentlichten Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auf 280,9 Mrd. Euro, das ist in Anstieg um 10,9 Mrd. Euro. Im Jahr 2000 lag der Zuwachs noch bei 14,0 Mrd. Euro. Auch die Neuverschuldung fiel im Vorjahr geringer aus als 2000: Die privaten Haushalte nahmen 2001 Kredite von insgesamt 3,7 Mrd. Euro auf, nach 4,5 Mrd. Euro im Jahr 2000. Das Geldvermögen von 280,9 Mrd. Euro entspricht laut Nationalbank 220 Prozent der verfügbaren Einkommen. Die Einkommenssteigerungen als wesentlicher Faktor für den Vermögensaufbau seien 2001 mit plus 1,8 Prozent (nach 3,4 Prozent im Jahr davor) im Vergleich zum stabilen Konsum geringer ausgefallen.

Umschichtungen

Bei der Geldanlage kam es im Vorjahr vor allem zu Umschichtungen in risikoärmere Produkte. Es wurden deutlich weniger Aktien und Investmentfonds gekauft als im Jahr 2000. Inländische Fonds waren mit 2,4 Mrd. Euro aber nach wie vor die beliebteste Anlagekategorie. Insgesamt wurden laut heutiger Pressemitteilung der OeNB von Privaten 3,8 Mrd. Euro in Aktien und Anteilsrechte neu investiert. Im Jahr 2000 lagen diese Nettozuflüsse noch bei 5,8 Mrd. Euro. Relativ konstant blieb dagegen der Zuwachs bei Versicherungen und Pensionskassen mit 3,5 (4,2) Mrd. Euro.

Euro-Bargeldeinführung

Die Euro-Bargeldeinführung war für einen enormen Rückgang der Bargeldhaltung um rund 3 Mrd. Euro verantwortlich. Die liquiden Mittel seien zum Teil in den Konsum oder kurzfristige Einlagen bei Banken geflossen, so die OeNB. Der Zuwachs bei den Einlagen mit 7,1 Mrd. Euro sei überproportional hoch ausgefallen. Die Zuflüsse bei Terminverlagungen und Spareinlagen beliefen sich laut Notenbank-Statistik auf 5,3 Mrd. Euro, nach einem Abgang von 912 Mill. Euro im Jahr 2000. Der Finanzierungssaldo der privaten Haushalte (Geldvermögensbildung minus Finanzierungen) sank von 9,4 auf 7,1 Mrd. Euro.

Gesamtzuwachs sank auf 67 (88) Milliarden Euro

Der im Jahr 2001 deutlich schwächere Geld-Vermögensaufbau der österreichischen Volkswirtschaft erreichte mit 66,6 (87,7) Mrd. Euro nur mehr 31 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im Jahr 2000 waren es noch 43 Prozent, geht aus der Pressemitteilung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) von Mittwoch weiter hervor. Es zeige sich eine eindeutige Präferenz der Veranlagung in liquide und relativ risikoarme Einlagen insbesondere bei inländischen Banken, während sich die Zuwachsraten in den Finanzierungsprodukten Wertpapiere, Anteilsrechte und Kredite im Vergleich zum Jahr 2000 nahezu halbiert hätten.

Gleichzeitig war auch der Finanzierungsbedarf der österreichischen Volkswirtschaft weniger stark ausgeprägt als im Jahr 2000. Das gesamte Finanzierungsvolumen belief sich 2001 auf 71,8 Mrd. Euro, verglichen mit 93,2 Mrd. Euro 2000. Das Mittelaufkommen stammte vor allem aus der Hereinnahme von Einlagen, während die Aufnahme von Fremdkapital in Form von Wertpapieren und Krediten unter den Zuwachsraten des Vergleichsjahres 2000 lag. Der Finanzierungssaldo (Saldo aus Geldvermögensbildung und Finanzierungen) der österreichischen Volkswirtschaft erreichte einen Wert von minus 5,1 Mrd. Euro. Von der gesamten Geldvermögensbildung im Jahr 2001 erreichten die Investitionen im Ausland rund 41 (55) Prozent, während vom gesamten Finanzierungsbedarf Österreichs rund 45 (58) Prozent im Ausland abgedeckt wurden. Andererseits erhöhten die Unternehmen ihr Geldvermögen im Jahr 2001 um 9,3 Mrd. Euro gegenüber 11,1 Mrd. Euro im Jahr davor. Die wesentlichste Veranlagungsform stellte der Erwerb zusätzlicher Anteilsrechte mit 6,2 Mrd. Euro dar, wovon 2,2 Mrd. Euro aus zusätzlichen Kapitalverflechtungen in Zusammenhang mit Direktinvestitionen resultierten.

Saldo des Staats - nahezu "Null"

Der Staat konnte seinen Finanzierungssaldo (gemäß ESVG-Abgrenzung) im Jahr 2001 nahezu auf null bringen (minus 79 Mill. Euro), da die Einnahmen im Jahr 2001 im Vergleich zum Jahr 2000 relativ stark anstiegen (plus 5 Prozent), während die Staatsausgaben nur um 2 Prozent wuchsen. Der Finanzierungsbedarf wurde netto im Wege von Wertpapieren aufgebracht und belief sich auf 2,5 Mrd. Euro. Der Staat ging dabei eine zusätzliche Verschuldung in Form von Wertpapieremissionen in Höhe von 4,8 Mrd. Euro ein, während Kredite zurückgezahlt wurden. Die Geldvermögensbildung im Jahr 2001 wurde in Form von Einlagen bei Banken vorgenommen bzw. Krediten an den Unternehmenssektor gewährt. Dagegen verkauften einzelne Bundesländer ihre Wohnbaudarlehen. (APA)

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