"Telefonschmäh"-Bande: Zwei Verdächtige in Haft, zwei auf der Flucht

19. Juni 2002, 17:18
posten

Die Täter hatten sich am Telefon jeweils als Verwandte aus fernen Ländern mit Geldsorgen ausgegeben.

Wien - Die Trickbetrüger-Bande, die seit Dezember des Vorjahres mit dem so genannten Telefonschmäh ältere Menschen in ganz Österreich um ihr Erspartes brachte, ist ausgehoben: Laut Dr. Helmut Filz vom Wiener Sicherheitsbüro sind in der Vorwoche zwei mutmaßliche Mitglieder der Gruppe festgenommen worden. Zwei Komplizen sind noch auf der Flucht. Die Täter hatten sich am Telefon jeweils als Verwandte aus fernen Ländern mit Geldsorgen ausgegeben.

RAten nach dem Vornamen

Meist ging es dabei um einen "kurzfristigen Engpass": Laut Polizei rief ein Mann verschiedene Telefonnummern an und behauptete, ein Verwandter bzw. Bekannter zu sein, der sich längere Zeit nicht gemeldet habe. Wenn das potenzielle Opfer darauf einstieg, ließ er nach seinem Vornamen raten und sage nach dem dritten oder vierten Versuch: "Du hast recht, ich bin es." Dann versuchte der Täter, den Frauen Geld für einen angeblichen Autokauf herauszulocken.

Autokauf per Telefon

In einem konkreten Fall machte ein Unbekannter einer älteren Frau in Wien-Döbling weis, er benötige sofort 20.000 Euro, würde den Autoverkäufer vorbei schicken und das Geld am Abend bei einem Treffen beim Heurigen zurückgeben. Die Dame ging zur Bank, hob das Geld ab und übergab es dem angeblichen Händler. Am Abend wartete sie vergeblich beim Heurigen - und ging anschließend zur Polizei.

Ältere Dame zeigte die Bande an

Einer dieser Versuche führte letztendlich zum Auffliegen der Bande. Einer älteren Dame kam der Anrufer verdächtig vor, sie ging zur Exekutive. Dass die Kriminellen selbst schon unter Observation standen, als sie die Pensionistin beim Gang zu Bank beobachteten, war ihnen nicht bewusst. Die Falle schnappte schließlich zu.

Die beiden Festgenommenen gestanden 20 bzw. 35 Fakten, so Filz. Zudem belasteten sie ihre beiden Komplizen. Nach den Beiden wird mit Haftbefehl gefahndet.

In Wien wurden insgesamt 54 Tathandlungen und rund 140 Betrugsversuche bekannt. Aus den Bundesländern kommen einige weitere Fakten dazu. Allein in der Bundeshauptstadt beträgt der Gesamtschaden rund 440.000 Euro. (APA)

Hinweise wurden an das Wiener Sicherheitsbüro, Telefonnummer 01-31346/36072 DW Journaldienst oder 36330 DW Gruppe Findeis, erbeten
Share if you care.