Ärztekammer: "Chronische Unterfinanzierung" droht

19. Juni 2002, 14:28
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Pjeta: Aktuelle Sanierungsvorschläge gehen an eigentlichen Problemen vorbei

Wien - Für den Präsidenten der Ärztekammer, Otto Pjeta, geht die Politik mit ihren aktuellen Sanierungsvorschlägen für die Krankenkassen an den eigentlichen Problemen der Gesundheitspolitik vorbei. Es sei keine Frage, dass das Gesundheitssystem "unterfinanziert" sei und mehr Geld benötigen würde, sagte Pjeta am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Die Diskussion über die tatsächlichen gesundheitlichen Perspektiven der Bevölkerung sei völlig in den Hintergrund getreten, kritisierte er.

"Defensive" Ausrichtung der Gesundheitspolitik

Die Gesundheitspolitik sei in den letzten Jahren "sehr defensiv" ausgerichtet gewesen und hätte sich nur auf finanzielle Fragen bei der Krankenversicherung, der Chipkarte oder der Ambulanzgebühr konzentriert. Eine Strukturdebatte sei aber bisher ausgeblieben. Er bekräftigte, dass man nach Ausschöpfung von Rationalisierungsmaßnahmen auch über die Erhöhung von Selbstbehalten nachdenken müsse. Nur mit Sonderfinanzierungen, als Beispiel nannte er die Tabaksteuer, sei es nicht getan. Ansonsten drohe eine "chronische Unterfinanzierung", die dazu führe, dass gewisse Leistungen nicht mehr erbracht werden könnten.

Man müsse davon wegkommen, ständig neue Sparziele zu definieren und dazu hinkommen, Gesundheitsziele zu entwickeln, so Pjeta. Handlungsbedarf gebe es vor allem bei Herzkreislauf-, Krebs- und Atemwegserkrankungen, ergänzte die Sozialmedizinerin Anita Rieder. Bei diesen Krankheiten gebe es ein besonders hohes Präventionspotenzial.

Die Ärztekammer werde in den nächsten Monaten in den einzelnen Bundesländern konkrete Pläne mit Gesundheitszielen und nötigen Maßnahmen erstellen, kündigte Pjeta an. Schwerpunkte sollten auf die Bekämpfung der schwerwiegendsten Volkskrankheiten und bei der Prävention liegen. (APA)

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