Wirtschaftswachstum kein Allheilmittel

20. Juni 2002, 19:28
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Bank-Austria-Chef Randa: "Wachsen und teilen" heißt die Devise nach dem 11. September

Wien - Wirtschaftswachstum allein werde nicht ausreichen, um die vorhandenen Probleme in der Welt zu lösen. Das zeige sich jetzt, nach den Terrorangriffen vom 11. September immer mehr, sagte Gerhard Randa, Generaldirektor der Bank Austria/Creditanstalt, bei der Eröffnung des diesjährigen Bank Austria Forums zur EU-Erweiterung.

"Die Devise wird weltweit lauten müssen: Wachsen und teilen." Davon werde sich niemand absentieren können. Wenn das "System" in Gefahr sei, auseinander zu driften, sind alle betroffen, dafür dürften wir unsere Augen nicht verschließen, sagte Randa.

Wohlstandsgefälle

Es sei sicher nicht zu leugnen, dass das Wohlstandsgefälle in Europa heute noch sehr groß sei. "Das sollte uns in den reicheren Ländern aber nicht zu falschem Hochmut veranlassen." Die weniger "saturierten" Länder hätten dafür den Willen zur Veränderung, die Freude zu lernen oder die Begeisterung zu gestalten. "Hier ist uns die Bevölkerung etwa in Südosteuropa klar überlegen", so Randa.

Auch für die Europäische Investitionsbank (EIB), dem Finanzinstitut der EU, ist die Vorbereitung der EU-Erweiterung derzeit eines der vorrangigen Ziele, sagte EIB-Vizepräsident Ewald Nowotny. Gefördert würde auch weiterhin die regionale Entwicklung innerhalb der EU.

Polen vor Tschechien

Der größte Teil der EIB-Finanzmittel für Zentral- und Osteuropa floss bis Ende 2001 mit 5,3 Mrd. Euro Euro nach Polen. An zweiter Stelle folgt Tschechien mit 3,9 Mrd. Euro und danach Rumänien mit 2,7 Mrd. Euro Euro.

Im Brennpunkt der EIB-Finanzhilfe steht laut Nowotny auch die Hilfe für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) und die Entwicklung von transeuropäischen Netzwerken, inklusive ihrer Ausweitung in den Zentral- und Osteuropäischen Raum, sowie die Modernisierung der Gesundheits- und Erziehungsinfrastruktur.

Die aktuelle Debatte um die Kosten der Erweiterung beziehungsweise mögliche Verzögerungen kann die Stimmungslage in den mittel- und osteuropäischen Ländern nicht trüben. Laut dem aktuellen "Europa Barometer" der Bank Austria, eine Umfrage unter 720 Topmanagern und 9000 Normalbürgern aus neun Oststaaten (März/April 2002), gehen 83 Prozent der befragten Manager davon aus, dass die Erweiterung vorteilhafte Auswirkungen auf das eigene Land haben wird. Nur neun Prozent rechnen mit Nachteilen. Immerhin 74 Prozent glauben, dass auch die derzeitigen EU-Staaten von der Erweiterung profitieren. Eine steigende Anzahl an Managern wünscht sich eine rasche Euroeinführung.

Skeptischer ist die jeweilige Bevölkerung in den Beitrittsländern. Nur 58 Prozent der Normalbürger glauben an positive Effekte für ihr Land durch die EU-Erweiterung. 17 Prozent befürchten negative Konsequenzen. (APA, miba, DER STANDARD, Printausgabe 21.6.2002)

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