Belgrader Intellektuelle warnen vor "profaschistischen Tendenzen"

19. Juni 2002, 11:24
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"Herausforderungen an den gesunden Menschenverstand"

Belgrad - Eine Belgrader Intellektuellen-Gruppe hat vor "rückwärts gewandten profaschistischen Tendenzen" in Serbien gewarnt. In einem offenen Schreiben unter dem Titel "Herausforderungen an den gesunden Menschenverstand", auf das sich der Sender "B-92" beruft, hat die Intellektuellen-Gruppe auch auf die "Erben des Nationalismus Milosevics" hingewiesen, die nach der Wende in Belgrad am 5. Oktober 2000 ihren Einfluss bewahrt haben. In dem Schreiben wird auch auf die neuen Unterteilungen der Bürger in Partisanen und Tschetniks und auf die Förderung der "rückwärts gewandten Ideale eines monarchistischen Serbien" hingewiesen, meldete der Sender.

Die Gruppe machte besonders auf einzelne Intellektuelle aufmerksam, die den "Kult von (den bosnisch-serbischen Kriegsverbrechern, Anm.) Radovan Karadzic und Ratko Mladic pflegen, zwei Befürworter und Vollstrecker der zwischen-ethnischen Gewalt". Das Problem bestehe in den zwei rivalisierenden Flügeln des regierenden DOS-Bündnisses, die im wechselseitigen Machtkampf diese Tendenzen ungeachtet eigener Anschauungen verteidigen, meint einer der Autoren des Schreibens, Desimir Tosic. "Dies ist am gefährlichsten", sagte Tosic.

Die Aberkennung von Abgeordnetenmandaten im serbischen Parlament hat Tosic andererseits als "Ermordung des Parlamentarismus" bezeichnet. Das serbische Parlament hatte in der vergangenen Woche 36 Abgeordneten ihre Mandate entzogen. Die Demokratische Partei Serbiens, die 21 Mandate verloren hatte, hatte darauf eine Klage beim Verfassungsgericht eingereicht.

Unter den Unterzeichnern des Schreibens befinden sich auch der einstige Belgrader Bürgermeister Zivorad Kovacevic, der Publizist Aleksandar Nenadovic sowie der einstige führende serbische Dissident Mihajlo Mihajlov. (APA)

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