Slowenisches Radio in Kärnten vor dem Aus

19. Juni 2002, 11:10
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ORF will Kooperation mit Radio dva zum Jahresende einstellen - Radio dva-Geschäftsführer ortet "Machtspielchen zwischen dem ORF und der Regierung"

Der slowenische Radiosender in Kärnten steht vor dem Aus. Der ORF will die Kooperation mit Radio dva zum Jahresende 2002 einstellen, wie ORF-Generaldirektorin Monika Lindner den Radiomachern in Klagenfurt schriftlich mitteilte. Geschäftsführer Marjan Pipp erklärte, dass dies das Aus für den slowenischsprachigen Sender bedeuten würde.

Zusperren

Die Fortsetzung der Kooperation bis zum Jahresende - das Pilotprojekt war ursprünglich bis Ende März befristet gewesen - freue ihn natürlich, meinte Pipp, doch der Wermutstropfen sei mit dem definitiven Ende der Kooperation zum Jahresende sehr groß. "Wir arbeiten derzeit mit einem Jahresbudget von 872.000 Euro, womit es natürlich noch Lücken im Programm gibt." Sollte die Unterstützung des ORF tatsächlich eingestellt werden, müsste der Sender wohl zusperren.

"Rein wirtschaftliche Entscheidung"

ORF-Landesdirektor Willy Mitsche begründete das angekündigte Ende der Kooperation mit der angespannten Finanzlage des ORF. "Derzeit steht eigentlich alles zur Disposition und bei Radio dva handelt es sich um eine freiwillige Leistung des ORF, die natürlich ebenfalls zur Diskussion gestellt werden muss." Sollte es tatsächlich dazu kommen, sei dies sehr bedauerlich, es handle sich aber um eine rein wirtschaftliche Entscheidung, betonte Mitsche.

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Pipp wiederum sieht durchaus politische Motive für die Entscheidung: "Wenn sogar schon in slowenischen Zeitungen geschrieben wurde, dass bei einem informellen Treffen zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und den Vertretern der Kärntner Slowenen in Wien davon gesprochen worden sei, dass die Forderung nach mehr zweisprachigen Ortstafeln das Ende von Radio dva bedeuten würde, glaube ich schon an einen politischen Kontext." Man könne den ORF natürlich in keiner Weise zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit zwingen, doch müsse der Sender auf Grund des Programmauftrags dann wohl selbst deutlich mehr slowenischsprachige Sendungen produzieren als bisher. "Ob das die günstigere Variante ist, das sei dahingestellt", meinte Pipp. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei dem ganzen Thema um "Machtspielchen zwischen dem ORF und der Regierung".

Höchstens eine Form von Sponsoring möglich

Ohne einen finanzkräftigen Partner sei Radio dva jedenfalls nicht weiter zu führen, bedauert Pipp: "Mit Werbung ist so ein Programm auf keinen Fall finanzierbar, denn da wird nur auf die Quoten geschaut." Da wäre höchstens eine Form von Sponsoring möglich, doch auch dies sei äußerst schwierig. Pipp verwies darauf, dass der ORF sich aber auch über die übrigen Volksgruppen in Österreich Gedanken machen werde müssen: "Für jede Volksgruppe, für die ein Beirat eingerichtet wurde, müsste es laut Gesetz Programme in ihrer Muttersprache geben." Und dies seien mit Slowenen, Kroaten, Ungarn, Roma, Tschechen und Slowaken sechs. (APA)

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