Sowjetunion: Biowaffentest brachte 1971 Pocken-Ausbruch

19. Juni 2002, 10:46
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Test auf Insel im Aralsee - doch ein Fischerboot kreuzte die verbotene Zone und trug Krankheit in Hafenstadt

Washington - 1971 hat ein Biowaffentest mit Pocken in der Sowjetrepublik Kasachstan zehn Menschen infiziert und drei getötet. Das berichteten laut New Scientist US-Forscher, die alte sowjetische Dokumente ausgewertet haben, einem Beratergremium der US-Regierung, das darüber entscheiden soll, ob die gesamte Bevölkerung der USA gegen Pocken geimpft wird.

Demnach wurde auf einer Insel im Aralsee getestet, ob sich ein hoch virulenter Pockenstamm über die Luft verbreiten lässt. Der Sicherheitsabstand zum Festland war groß genug, aber ein Fischerboot war in die verbotene Zone eingedrungen. Mit ihm kamen die Pocken in die Hafenstadt Aralsk, deren 50.000 Bewohner in Quarantäne genommen und geimpft wurden.

Weil sich damit die Folgen in Grenzen halten ließen, befürworten einige Forscher eine Massenimpfung. Aber der Impfstoff ist gefährlich: Laut Prognose würden bei 178 Millionen Geimpften - allen US-Bürgern unter 65 Jahren - 285 Menschen sterben und 4600 dauernd geschädigt. (jl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 6. 2002)

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