IG BAU will Streik in nächster Woche ausdehnen

21. Juni 2002, 13:10
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Derzeit 20.000 Arbeiter an mehr als 1.500 Baustellen im Arbeitskampf

Frankfurt/Berlin - Mit einer Ausweitung des Streiks im Baugewerbe will die IG BAU in der nächsten Woche den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. "Dieser Arbeitskampf wird erst beendet sein, wenn nach einem verbesserten Angebot Verhandlungen stattfinden und ein vernünftiges Ergebnis vorliegt", sagte der Streikleiter der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Dietmar Schäfers, am Freitag in Frankfurt. Er kündigte für Montag eine neue Streikwelle mit zusätzlich "einigen tausend" Streikenden an. Die Gewerkschaft werde "erheblich aufsatteln".

Nach bisher einer Woche Streik befänden sich derzeit bundesweit rund 20.000 Bauarbeiter auf mehr als 1.500 Baustellen im Arbeitskampf. Der Streik sei bisher ein "voller Erfolg", sagte Schäfers. Der IG BAU-Streikleiter knüpfte die Wiederaufnahme von Verhandlungen an ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber. Ein solches liege bisher aber nicht vor.

4,5 Prozent mehr Geld gefordert

In dem seit Monaten andauernden Tarifkonflikt fordert die IG BAU für die 850.000 Beschäftigten 4,5 Prozent mehr Geld. Die Arbeitgeber bieten für 2002 und 2003 eine stufenweise Erhöhung von 3,0 und 2,1 Prozent. In Ostdeutschland geht es auch um die Anhebung der Mindestlöhne, was die Unternehmer wegen der besonders schwierigen Wirtschaftslage in den neuen Bundesländern ablehnen.

Die IG BAU habe sich auf einen mehrwöchigen Streik eingestellt, sagte Schäfers. "Es gibt noch eine Menge Dampf im Kessel." Zudem kündigte er an, die Gewerkschaft werde bei ihrer bisherigen Taktik bleiben. "Wir wählen weiter sehr genau aus, welche Baustellen bestreikt werden." In den Arbeitskampf einbezogen würden vor allem Baustellen mit hohem Termindruck, "wo es weh tut", sagte Schäfers.

Auch Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern beteiligt

An dem Streik beteiligt sich nach den Worten Schäfers auch ein "beträchtlicher Teil" von Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern. Schäfers sagte, er wisse nicht, wie diese Bauarbeiter dies finanzierten, aber die Entschlossenheit sei groß. Nicht-Gewerkschaftsmitglieder erhalten kein Streikgeld. Schäfers berichtete von einzelnen Arbeitgebern, die mit Hilfe von Streikbrechern versuchten, Baustellen wieder arbeitsfähig zu machen. Bisher sei der Streik aber weitgehend ruhig verlaufen.

Der Bauindustrieverband warf der IG BAU am Freitag vor, mit gezielten Falschinformationen den seit einer Woche andauernden Streik anzuheizen. "Offensichtlich fällt es der Gewerkschaft schwer, ihre Mitglieder für den Streik zu motivieren", erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Knipper in Berlin.

Samstag als Regelarbeitstag

Die auf Flugblättern verbreitete Meldung, wonach die Arbeitgeber die Sozialkassen zerschlagen, den Samstag als Regelarbeitstag einführen und den Facharbeiterabschluss nach DDR-Ausbildung entwerten wollten, sei falsch, sagte Knipper. Die IG BAU hatte zuvor den Firmen vorgeworfen, auf bestreikten Baustellen Schlägertrupps eingesetzt zu haben.

Nach Behinderungen von Arbeitswilligen auf Baustellen sagte der Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Werner Kahl, in Hamburg: "Wir fordern die IG Bau daher auf, den Bogen nicht zu überspannen und sich an die gesetzlichen Spielregeln zu halten. Insbesondere sollte die Gewerkschaftsführung mäßigend auf ihre Mitglieder einwirken und die Emotionen nicht unnötig anheizen."

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten einmal mehr die desolate Situation der deutschen Bauwirtschaft. So sind die Auftragseingänge im Monat April 2002 um ein Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Im Bauhauptgewerbe waren Ende April 2002 nur noch 863.000 Menschen beschäftigt, 98.000 weniger als noch vor einem Jahr.(APA/dpa)

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