Priester gesucht

20. Juni 2002, 11:01
15 Postings

Historischer Tiefstand bei Neo-Gottesdienern - Canisiuswerk: Mehr Probleme mit Zölibat als früher

Wien - Während die Ankündigung der illegalen Priesterinnen-Weihe in Oberösterreich für Schlagzeilen sorgt, gibt es in der katholischen Kirche bei der Zahl der Neupriester einen historischen Tiefstand: Nur 15 Kandidaten aus den Priesterseminaren der neun Diözesen Österreichs werden heuer - im von der Kirche ausgerufenen "Jahr der Berufung" - geweiht.

Wie das Canisiuswerk, das Zentrum für geistliche Berufe, mitteilte, kommen zu den 15 Weihekandidaten aus den Priesterseminaren - nach derzeitigem Stand - noch 20 Kandidaten aus Männerorden oder ordensähnlichen Gemeinschaften. Registriert sind nur die Weihen bis zum 10. Juli. Die Zahlen können sich daher bis Jahresende noch leicht erhöhen. Allerdings finden in der katholischen Kirche die Priesterweihen traditionell Ende Juni - rund um das Fest der Heiligen Petrus und Paulus (am 29. Juni) - statt.

In den 70er Jahren wurden im Durchschnitt jährlich noch 74 Neupriester registriert, in den 80er und 90er Jahren 52 bzw. 50. Im Vorjahr gab es 23 Neupriester in den Diözesen und 21 im Ordensbereich.

Im heurigen Jahr gibt es in den Diözesen Linz und Eisenstadt keine Neupriester. In Feldkirch wird ein Priesterkandidat geweiht. Zwei Priesterweihen melden die Diözesen Klagenfurt, Salzburg, St. Pölten und Wien. In St. Pölten und Wien kommen zu den beiden Kandidaten aus den Priesterseminaren noch jeweils zwei weitere Weihekandidaten aus anderen diözesanen Priesterausbildungsstätten dazu: in der Diözese St. Pölten sind das zwei Männer aus der "Gemeinschaft vom Hl. Josef" in Blindenmarkt und in der Erzdiözese Wien zwei Männer aus dem diözesanen Missionskolleg "Redemptoris Mater" des Neokatechumenats in Sparbach. Drei Priesterweihen gibt es schließlich jeweils in den Diözesen Graz und Innsbruck.

Tendenz nach unten

Der Generalsekretär des Canisiuswerks, Kurt Schmidl, meinte, bei den Neupriestern sei - in Österreich wie in den meisten anderen westeuropäischen Ländern - in den letzten Jahren die Tendenz mit Schwankungen nach unten gegangen. Heuer gebe es einen "historischen Tiefstand". Dass dieser ausgerechnet im "Jahr der Berufungen" erreicht werde, "schaut von der Optik nicht gut aus", so Schmidl. Allerdings sollen von diesem Jahr Impulse ausgehen, damit die Zahl der Neupriester nicht noch weiter nach unten geht. Es sei ein Projekt mit langfristigen Perspektiven. Das Thema "Jahr der Berufung" stand auch auf der Tagesordnung der Sommertagung der Bischofskonferenz in Mariazell, die heute, Mittwoch, zu Ende geht.

Als Grund für den Abwärtstrend bei den Neupriestern nennt Schmidl die allgemeine kirchliche Situation. Auch die gesamte gesellschaftliche Einstellung spiegle sich bei den Priesterweihen wider: So hätten junge Menschen heute mit Lebenseinstellungen wie Zölibat, Gehorsam oder Bindung mehr Probleme als früher. (APA)

Share if you care.