Perugia feuert "Golden Goal"-Torschützen Ahn

20. Juni 2002, 13:56
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Klub-Präsident Gaucci: "Wer Italien eliminiert, kommt nicht mehr zu uns zurück" - Ahn-Mania in Südkorea

Perugia - Da er Italien mit seinem "Golden Goal" am Dienstag aus der Fußball-WM befördert und damit die italienischen Titelträume beendet hat, ist für Jung-Hwan Ahn kein Platz mehr bei seinem bisherigen Klub Perugia. Der am 30. Juni auslaufende Vertrag des 26- jährigen Südkoreaners wird nicht verlängert.

"Angriff auf unser Land"

Der Vorsitzende des italienischen Erstligisten, Luciano Gaucci, wurde in der italienischen Sportzeitung "La Gazzetta dello Sport" am Mittwoch folgendermaßen zitiert: "Dieser Herr wird in Perugia nie wieder einen Fuß aufsetzen", zitierte . Er habe nicht vor, jemanden zu bezahlen, der den italienischen Fußball ruiniert habe, sagte der Club-Vorsitzende. "Ich bin Nationalist und ich betrachte so ein Verhalten nicht nur als eine Beleidigung des italienischen Stolzes, sondern auch als einen Angriff auf ein Land, das ihm vor zwei Jahren seine Türen geöffnet hat."

Attacken im Web

Die Stimmung bei den Perugia-Fans ist auch eher negativ gegenüber Ahn, so ist im Web-Gästebuch des Klubs beispielsweise zu lesen: "To Ahn : stay in your country, don't come again here in Italy, now all Perugia hates you".

Ahn bei Perugia kaum im Einsatz

Perugia hatte den Asiaten bisher vom koreanischen Klub Busan ausgeliehen, will aber nicht drei Millionen Euro zahlen, um Ahn nun zu verpflichten. Perugia-Trainer Serse Cosmi gab nach Angaben italienischer Medien am Mittwoch dem Klubchef grünes Licht, Ahn ziehen zu lassen. In zwei Saisonen kam der Koreaner 30 Mal zum Einsatz und erzielte in diesem Zeitraum fünf Treffer, einen einzigen in der letzten Saison.

Ahn-Mania in Südkorea

In Südkorea nahm die Ahn-Mania dagegen ungekannte Ausmaße an. "Jetzt ist er Koreas bester Stürmer aller Zeiten", titelte die "Daily Sports". Und die Zeitung "Chosun Ilbo" schrieb: "Er war ein Pflänzchen im Gewächshaus. Nun ist er ein Star." Diesem Ruf war Ahn bisher nur abseits des Rasens gerecht geworden. Der 26-Jährige ist eine Pop-Ikone ähnlich wie David Beckham in England. Mit seiner Werbung für Herren-Kosmetik und Sportartikel verdient er mehr Geld als mit dem Fußball.

"Der größte Star neben Hiddink"

Der mit einer ehemaligen "Miss Korea" verheiratete Ahn wird in der Heimat nur "Terius" gerufen. Der Spitzname sagt viel über seine Popularität aus, denn er ist einer gut aussehenden Zeichentrickfigur entliehen, die im ganzen Land bekannt ist. Die Jugend hat ihn bisher eher als Modefigur verehrt, nun ist er auch sportlich zum Helden aufgestiegen. "Er ist der größte Star neben Hiddink", stellte die "Daily Sports" fest. Ahn hatte mit dem Trainer lange Probleme gehabt, weil er sich nicht dem strengen Regime des Niederländers unterwerfen und in die Mannschaft integrieren wollte. "Ich hatte Probleme, im Team zu arbeiten", gestand Ahn.

Seit zwei Jahren in Italien

Kein Wunder, stand er doch immer im Mittelpunkt. Ahn schaffte 1994 auf Anhieb den Sprung in die Jugend-Auswahl Südkoreas und debütierte nur drei Jahre später im Nationalteam. Als er 2000 nach Perugia wechselte, förderte dies seine Popularität in Südkorea weiter. Doch in der Serie A wurde er kaum beachtet und kam über eine Reservistenrolle nicht hinaus. Das war für Ahn eine völlig neue Erfahrung, denn in der Heimat kennt ihn jedes Kind - spätestens seit seinem Golden Goal gegen Italien.(APA)

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