Wirbel um Ted Turner-Interview

19. Juni 2002, 16:39
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... über Terror in Nahost ... CNN distanziert sich von Stellungnahme des "Privatmanns"

Ted Turner, der Gründer des TV-Senders CNN, hat mit einem Interview über Terrorismus im Nahen Osten in den USA für Aufregung gesorgt. In dem mit der britischen Tageszeitung "Guardian" geführten Interview wirft Turner den Israelis und Palästinensern gegenseitigen Terror vor: "Terrorisieren die Israelis und Palästinenser einander nicht gegenseitig?" fragt er. CNN hat sich in einer Stellungnahme umgehend von den Äußerungen Turners distanziert. Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, fordert eine Entschuldigung Turners.

Beide Seiten in Terrorismus verwickelt

"Die Palästinenser kämpften mit Selbstmordattentätern, das ist alles was sie haben", sagt Turner in dem am Dienstag veröffentlichten Interview, das laut ihm schon vor zwei Monaten geführt wurde, "Die Israelis haben eine der stärksten Militärmaschinerien der Welt. Die Palästinenser haben nichts. Also, wer sind die Terroristen? Ich würde sagen, dass beide Seiten in Terrorismus verwickelt sind".

In einer am Dienstag via CNN verbreiteten Stellungnahme Turners zu dem Interview stellt der Medienzar klar dass er in dem Gespräch mit dem "Guardian" die Gewalt im Nahen Osten verurteilt habe, "egal auf welcher Seite. "Aber ich möchte absolut klarstellen, dass meine Meinung war - und ist - dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen der israelischen Regierung und den Palästinensern gibt", führt Turner aus. "Ich glaube, die israelische Regierung hat übermäßige Gewalt zur Selbstverteidigung eingesetzt, aber das ist nicht dasselbe wie das absichtliche Töten von Zivilisten durch Selbstmordattentäter".

Entschuldigung und Zurücknahme gefordert

Trotz dieser relativierenden Stellungnahme wurde Turner in den USA scharf kritisiert. Eine Entschuldigung und die Zurücknahme der Erklärung forderte der Abgeordnete Tom DeLay, republikanischer Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus. "Ted Turner hat bereits viel Falsches gesagt, aber der Versuch den Terror gegen Israel zu rechtfertigen indem er ein moralisches Gleichgewicht herstellt stellt einen neuen Tiefpunkt dar", sagte DeLay. Ein Sprecher der israelischen Regierung verurteilte die Aussagen von Turner und bezeichnete sie als "dumm". Ein Minister der palästinensischen Regierung würdigte die Erklärungen hingegen als "guten Ansatz".

CNN distanziert sich

Der TV-Sender CNN distanzierte sich umgehend öffentlich von der "privaten Stellungnahme" von Ted Turner, Vizepräsident des CNN-Mutterkonzerns AOL Time Warner. "Der Sender stellt klar, dass Turner keinerlei Einfluss auf die Programmgestaltung und die inhaltliche Ausrichtung von CNN hat", hieß es in einer Erklärung, die während eines Nachrichtenblocks verlesen wurde. Die am 16.April in dem Interview mit dem "Guardian" gemachten Aussagen habe Turner als "Privatmann" getroffen.

Das Verhältnis zwischen Israel und CNN werde nach diesem Interview nicht einfacher, kommentiert der "Guardian". In den USA haben in den vergangenen Monaten mehrere jüdische Gruppen dem Nachrichtensender Voreingenommenheit zu Gunsten der Palästinenser vorgeworfen und teilweise zum Wechsel von CNN zu Fox-News, dem Sender von Rupert Murdoch, aufgerufen. Vor drei Monaten habe allerdings Palästinenserpräsident Yasser Arafat ein Interview mit CNN-Chefreporterin Christiane Armanpour verärgert abgebrochen und ihr Parteinahme für Israel vorgeworfen, erinnert die Zeitung.

"Mutig" aber "ein bisschen verrückt"

Der 63-jährige CNN-Gründer Ted Turner war heuer bereits einmal mit öffentlichen Aussagen in den USA in die Schlagzeilen geraten. Im Februar hatte er bei einer Rede in Rhode Island gemeint, die Selbstmordattentäter, die in das World Trade Center geflogen waren, wären "mutig" aber "ein bisschen verrückt" gewesen. Gegenüber dem "Guardian" bezeichnete er dies jetzt als "unglückliche Wortwahl". Das Wort "mutig" (brave) sei ihm einfach "herausgerutscht", weil er es als Besitzer des "Atlanta Braves Baseball-Team" ständig benutze, so der Milliardär. (APA)

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