Porr in den roten Zahlen

19. Juni 2002, 13:22
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Schließungen und Rückstellungen belasten zweitgrößten heimischen Baukonzern - Erst 2003 Anziehen der Baukonjunktur erwartet

Wien - Der zweitgrößte heimische Baukonzern, die börsenotierte Allgemeine Baugesellschaft - A. Porr AG, hat im vergangenen Geschäftsjahr die Flaute in der Bauindustrie schmerzhaft zu spüren bekommen: Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg zwar um 15 Prozent auf 33,7 (29,2) Mill. Euro, höhere Rückstellungen, einmalige Aufwendungen für die Standortschließungen hauptsächlich in Deutschland sowie Fusionskosten zogen das Jahresergebnis aber in die roten Zahlen. Die allgemeine Konjunkturlage werde sich wegen der noch nicht angelaufenen öffentlichen Investitionen auch heuer noch nicht bessern, "ich rechne erst ab 2003 mit einem höheren Wachstum", sagte Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Wien.

2002 Stagnierender Umsatz erwartet

Für 2002 rechnet der Konzern mit einem stagnierenden Umsatz auf dem Niveau von 2001 (1,76 Mrd. Euro). Porr strebt eine "spürbare Ergebnisverbesserung" an, verspricht aber zumindest ein "positives operatives Ergebnis". Rückenwind für 2002 erwartet sich Pöchhacker aus dem hohen Auftragsstand, der mit Jahresende 2001 um gut 14 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Außerdem seien etliche Projekte, in die man ab 2000 investiert habe, "reif, wir können sie verkaufen". Weiters zählt Pöchhacker auf Ergebnisbeiträge aus den osteuropäischen Ländern - die im vergangenen Jahr freilich durch Verluste in Deutschland wieder aufgefressen worden sind. Während der Inlandsumsatz heuer sinken werde, ist eine Erhöhung des Auslandsumsatzes um 500 Mill. Euro geplant. Damit wird der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamtumsatz auf einen neuen Rekordwert von 28 Prozent ansteigen.

Rückstellungen und Schließungen

Die Gründe für den Jahresfehlbetrag 2001 von minus 8,6 (nach plus 16,4) Mill. Euro hätten mehrere Wurzeln, führten Pöchhacker und Finanzvorstand Manfred Kogler aus. So hätten angesichts der internationalen Bilanzskandale die Wirtschaftsprüfer den Druck erhöht, Rückstellungen für bestimmte Projekte zu bilden, "wir sind aber überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren einiges davon auflösen können".

Knapp zehn Mill. Euro kosteten Standortschließungen in der Schweiz sowie hauptsächlich in Deutschland, wo man sich "aus der Fläche zurück gezogen" habe. Statt früher 13 habe man nun nur mehr 5 deutsche Standorte, alle in Ballungsräumen. Auch die Integration der Straßenbaufirma Teerag-Asdag, an der die Porr nun 50,1 Prozent hält, habe Kosten verursacht. Insgesamt sind auf diese Weise außerordentliche Aufwendungen von 21,6 Mill. Euro angefallen.

Das Finanzergebnis hat sich 2001 ebenfalls auf minus 20,8 (minus 8,7) Mill. Euro deutlich verschlechtert. Ausschlaggebend dafür seien höhere Zinsaufwendungen für Projekte sowie ein einmaliger Projektertrag aus dem Jahr 2000 gewesen, hieß es. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des Porr-Konzerns verschlechterte sich 2001 auf 12,9 (20,5 Mill. Euro). Trotz des Jahresverlusts will Porr aus der Auflösung von Gewinnrücklagen eine Dividende von 51 Cent (1,09 Euro) je Aktie ausschütten. Dies sei angesichts von bevorstehenden Projektrealisierungen "absolut vertretbar", meinte Pöchhacker.

Weniger Mitarbeiter

Der Mitarbeiterstand des Konzerns hat sich im vergangenen Jahr von durchschnittlich 10.500 auf 9.800 Beschäftigte verringert, der "Löwenanteil" der Jobverluste sei dabei in der Teerag-Asdag angefallen, hieß es. Die Investitionen 2001 sind um etwa ein Drittel auf 1,5 (2,4) Mrd. S zurück gegangen und werden erwartungsgemäß auch im laufenden Jahr sinken. (APA)

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