"Tod dem Schiedsrichter"

18. Juni 2002, 20:42
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Die italienischen Fans gingen im Match gegen Südkorea durch Himmel und Hölle

Rom - Italien trägt nach dem Aus der "Squadra Azzurra" im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Asien Trauer: Mit Tränen, Klagerufen, Unglauben, Kopfschütteln und Zorn auf Referee Byron Moreno aus Ecuador, der in der Verlängerung ein reguläres Tor wegen angeblichen Abseits aberkannt hatte, reagierten die Fans des dreifachen Weltmeisters nach dem 1:2 gegen WM-Gastgeber Südkorea. Hunderte Fans forderten sogar: "Tod dem Schiedsrichter!"

Vor keinem anderen Gegner hatten die Tifosi so viel Angst gehabt wie vor Südkorea. Schwer gehadert hatten sie bereits in den ersten beiden Wochen des WM-Turniers - mit den Schiedsrichtern, mit ihrem Trainer Giovanni Trapattoni, der zwar mit Weihwasser hantierte und von der Linie so wunderbar ins Spiel schrie, aber nicht immer ein gutes Händchen bei der Mannschaftsaufstellung hatte.

Aus Freude wurde Angst

Dabei fing alles so gut an, zuerst der gehaltene Elfer vom überragenden Schlussmann Buffon, und dann das 1:0 in der 18. Minute durch den Kopfball von Vieri, der ganz Italien zum Jubeln brachte und nach seinem vierten WM-Treffer bereits endgültig zum Volksheld wurde. Doch nach dem Ausgleich in der 88. Minute schlug die große Freude von einer Sekunde auf die andere wieder in Angst vor dem vorzeitigen WM-Aus um. Und nach dem Golden Goal für Südkorea stand den Tifosi nur mehr das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. In diesem Moment herrschte Totenstille in Italien. "Das Land steht still", meinte ein TV-Kommentator.

"Mir fehlen die Worte", stammelte ein junges Mädchen mit tränenerstickter Stimme. "Ich kann es nicht fassen", ein anderes. "Tutto finito! Diesmal sind die Besten zuerst ausgeschieden", kommentierte ein Tifoso auf der Piazza, wo sich Hundertausende Fans versammelt hatten, mit sarkastischem Lachen. "Wieder einmal der Schiedsrichter. Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt, besonders bei solchen Referees", klagte sein Nachbar und meinte nicht nur den aberkannten Treffer in der Verlängerung, sondern auch die umstrittene Gelb-Rote Karte für Stürmer Francesco Totti in der 103. Minute nach einer angeblichen "Schwalbe".

"Ehrlich, das war totaler Betrug!"

"Mindestens vier Tore hat man uns gestohlen", erinnerte ein erzürnter weiblicher Fan auch noch an die umstrittenen Abseits-Treffer in den Spielen gegen Kroatien und Mexiko. Kein Wunder, dass Bruno Pizzul, einer der bekanntesten Kommentatoren des Landes, nach dem Abpfiff im staatlichen Fernsehsender RAI zum Schluss kam: "Ehrlich, das war totaler Betrug!"(APA)

  • Verzweiflung bei den Fans in Italien

    Verzweiflung bei den Fans in Italien

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