Machtkampf in Nepals Regierungspartei führt zur Spaltung

18. Juni 2002, 19:51
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Machtrückkehr nach Novemberwahlen wenig aussichtsreich

Kathmandu - Vor dem Hintergrund des blutigen Aufstands maoistischer Rebellen hat sich die in Nepal regierende Kongresspartei gespalten. Ein Parteitag in Kathmandu schloss am Dienstag den Vorsitzenden Girija Prasad Koirala aus. Im vergangenen Monat hatte die Parteiführung um Koirala den Ministerpräsidenten Sher Bahadur Deuba für drei Jahre aus der Partei ausgeschlossen, weil er das Parlament ohne Zustimmung der Parteiführung aufgelöst hatte. Zuvor hatte Deuba vergeblich versucht, das Parlament für eine sechsmonatige Verlängerung des Ausnahmezustands zu gewinnen. Ende Mai verlängerte König Gyanendra den Ausnahmezustand per Dekret.

Die Anhänger von Deuba behaupteten, sie seien innerhalb der Kongresspartei in der Mehrheit. Koiralas Parteigänger bezeichneten den Ausschluss des Vorsitzenden als illegal und ungültig. Gemäßigte Kräfte hatten bis zuletzt versucht, die Spaltung zu verhindern. Beobachter in Kathmandu geben beiden Fraktionen eine nur geringe Chance, nach den vorgezogenen Wahlen im November an die Macht zurückzukehren.

Die maoistischen Rebellen kämpfen seit sechs Jahren für die Abschaffung der Monarchie und Errichtung einer kommunistischen Volksrepublik in Nepal. Dabei kamen bislang schätzungsweise 4.800 Menschen ums Leben. Erst in der vergangenen Woche starben nach Angaben des staatlichen Rundfunks möglicherweise mehr als 200 Rebellen bei einem Angriff auf einen Armeestützpunkt im Westen des Landes. (APA/dpa)

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