50.000 müssen weiter büffeln

18. Juni 2002, 19:49
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Es ist die Zeit der Jahreskonferenzen, die Noten stehen fest, das Schuljahr ist demnächst vorbei - 50.000 müssen auch im Sommer büffeln

Margit hat zwei Mädchen. Das macht ihr das Leben als Mutter leichter. Weil, dieses Schuljahr wird auch nicht anders zu Ende gehen als viele frühere: Mädchen lernen einfach besser.

Das sagt uns die Statistik, Schülerinnen sind erfolgreicher, vom ersten Schultag an bis zur Matura. Dann, im wirklichen Leben, zählt das für die Frauenkarriere irgendwie nicht mehr so. Die Statistik stimmt aber, man muss ihr glauben, der Praxistest hat das im vergangenen Schuljahr einmal mehr bewiesen. Denken wir nur an den Werkunterricht in der Volksschule: Deckerl sticken - ohne Omahilfe machen kleine Buben große Stresserfahrung.

Nun, die "Erfolgsquote" gibt Auskunft über die "Sitzenbleiber" - positiv denken ist eben schwer, wenn's um die Schule geht. Im Detail, vielleicht tröstet's ja ein paar Eltern mit enttäuschten höheren Erwartungen: Laut der jüngsten Analyse für das Schuljahr 2000/2001 haben 3,5 Prozent der Mädchen das Klassenziel nicht erreicht - für 19.000 Schülerinnen eine "Ehrenrunde" in der alten Schulstufe. Bei den Burschen schaut es ein wenig ärger aus, da sind es 4,7 Prozent oder 28.000, die zumindest ein "Nicht genügend" im Zeugnis haben.

Da muss man noch nicht alle Hoffnung fahren lassen, auch mit dem "Fleck" kann es ja noch weitergehen - einfach büffeln für den "Nachzipf" lautet die Schülerdevise. Vielleicht ist auch die Klassenlehrerkonferenz der Meinung, es war halt eine schlechte Leistung, aber die Lücken lassen sich im nächsten Jahr aufholen. Was für die Betroffenen wieder bedeutet: im Sommer strebern. Ein Programm für rund 50.000 Kinder und Jugendliche jährlich - von insgesamt 1,2 Millionen Schülern und Schülerinnen.

Jetzt ist es für die "Pinsch"-Kandidaten jedenfalls zu spät. Wer noch schwitzt, tut dies, weil es draußen über dreißig Grad hat. Das Rennen ist gelaufen, die Jahreskonferenzen der Lehrer finden in diesen Tagen statt. Rettungsprüfungen gibt's nur noch hie und da.

Die Noten hat uns übrigens Kaiser Joseph II. eingebracht (1741 bis 1790). Seit seiner Regentschaft gibt es Schulbestätigungen. Seinerzeit ist da gestanden, dass einer oder eine auch wirklich in der Klasse gesessen ist. Das ist aber kein Erfolgsmerkmal mehr. (or/DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2002)

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