Polisario will 100 marokkanische Kriegsgefangene freilassen

19. Juni 2002, 05:55
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Befreiungsbewegung für Westsahara wertet dies aus vertrauensbildende Geste

Berlin/Algier - Die Westsahara-Befreiungsbewegung Polisario hat nach einer Initiative der deutschen Bundesregierung angekündigt, 100 marokkanische Kriegsgefangene nach über 20 Jahren Haft freizulassen. Dies teilte das Auswärtige Amt nach Gesprächen in Algier am Dienstag in Berlin mit. Die Befreiungsorganisation habe die Freilassung der Kriegsgefangenen als vertrauensbildende Geste angekündigt. Insgesamt hält die Befreiungsbewegung laut Ministerium 1362 marokkanische Kriegsgefangene fest, rund 900 bereits seit 20 Jahren. Marokko ließ die letzten 63 vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) registrierten Polisario-Kriegsgefangenen 1996 frei.

Seit 1991 besteht zwischen Marokko und der Polisario ein Waffenstillstand. Nach Angaben des Auswärtigen Amts leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen noch heute rund 160.000 saharauische Flüchtlinge in Flüchtlingslagern in Algerien und hoffen seit einem Vierteljahrhundert auf die Rückkehr in ihre Heimat.

Der Konflikt zwischen Marokko und der Befreiungsorganisation schwelt bereits seit 1976. Damals gab Spanien gegen den Widerstand der Polisario die ehemalige Kolonie zur gemeinsamen Verwaltung an Marokko und Mauretanien ab. Die Befreiungsorganisation proklamierte daraufhin die Demokratische Arabische Republik Sahara und kämpfte gegen die Besetzung durch Marokko im Norden und Mauretanien im Süden. 1979 schloss Mauretanien mit der Polisario Frieden und zog sich aus dem Süden der Westsahara zurück. Marokko besetzte daraufhin auch den Süden. Die UNO bemühte sich bisher vergeblich um eine Lösung des Konflikts. (APA/dpa)

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