Otto Molden 1918-2002

18. Juni 2002, 19:48
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Überzeugter Mitteleuropäer und Gründer des "Forum Alpbach"

Wien - Den Glauben an die Zweite Republik, an die spezifisch österreichische Ausprägung einer weltoffenen Kultur haben anregende Köpfe wie er zu befördern geholfen:

Der Widerstandskämpfer, Kulturpolitiker und Autor Otto Molden war im Zweiten Weltkrieg wesentlich am Aufbau der militärischen Widerstandsbewegung O5 beteiligt. Bereits 1945 gründete er das Europäische Forum Alpbach, das zum "Zauberberg" jener Intellektuellen avancierte, die, den Schrecken der Nazi-Diktatur vor Augen, bereits von der Rekonstruktion eines großen, befriedeten und föderalen Europa träumten.

Die Familie Molden trug unzählige Beispiele gelebter Kultur bei: Vater Ernst wirkte als Chefredakteur der Neuen Freien Presse, gründete 1946 Die Presse. Mutter Paula von Preradovic verfasste den Text zur Österreichischen Bundeshymne. Ottos jüngerer Bruder Fritz machte sich nach dem Krieg als Journalist und Verleger einen Namen.

Als 27-jähriger Student gründete Otto Molden gemeinsam mit dem Philosophiedozenten Simon Moser im Sommer 1945 das Europäische Forum Alpbach und einige Monate später das Österreichische Kolleg als Trägergesellschaft der Alpbacher Veranstaltungen. 1958 wurde Moldens Doktorarbeit unter dem Titel Ruf des Gewissens - der österreichische Freiheitskampf 1938-1945 in Buchform veröffentlicht.

Von 1953 bis 1983 war Molden mit der Schweizer Staatsopern-Solistin Laurence Dutoit verheiratet. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Peter und Paula. 1984 heiratete Molden erneut - die ORF-Kulturredakteurin Koschka Hetzer. (APA/ red/DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2002)

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