Gleiche Kosten für Euro-Abhebungen ab Juli

19. Juni 2002, 11:07
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Und die Kreditkarten-Gebühr fällt weg

Brüssel/Wien - Bürger müssen für Bargeldabhebungen am Automaten in der Europäischen Union (EU) in wenigen Wochen nicht länger mehr zahlen als in ihrem Heimatland. Die letzten Vorkehrungen dazu wurden dieser Tage getroffen, sodass der Umsetzung einer entsprechenden EU-Verordnung zum 1. Juli nichts mehr im Wege steht. Eine Gruppe europäischer Banken setzte jetzt einen speziellen Ausschuss ein, der die Vorgabe wie geplant überwachen soll. EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein begrüßte die Initiative. "Die Verordnung führt zu einer bedeutenden Ersparnis für Urlauber und Geschäftsreisende", bekräftigte er außerdem am Mittwochabend in Brüssel.

Die EU-Institutionen hatte Ende vergangenen Jahres eine Verordnung verabschiedet, die angeblich überhöhte Gebühren bei grenzüberschreitenden Zahlungen oder Abhebungen eindämmen soll. Der Vorstoß war bei den Banken als Eingriff in einen freien Markt heftig kritisiert worden. Dagegen hatten EU-Kommission, Europäisches Parlament und EU-Ministerrat argumentiert, dass andernfalls die Akzeptanz bei den Bürgern für den Euro leiden könnte. Sie entschieden sich deshalb gegen den Widerstand für eine Verordnung, die unmittelbar in jedem EU-Staat gilt.

Demnach müssen die Gebühren für Abhebungen am Geldautomaten und Bankkartenzahlungen bis 12.500 EUR ab diesem Juli bei In- und Auslandszahlungen gleich sein. Am 1. Juli 2003 müssen dann zudem die Gebühren für Überweisungen bis zu dem selben Betrag identisch sein. Für die Banken entfällt bis zu dieser Höhe die Meldepflicht. Ab Juli 2006 gilt die Vorgabe für Beträge bis 50.000 Euro.

Bearbeitungsgebühr bei Kreditkarten fällt weg

Kreditkartenbesitzer, die ab 1. Juli ihre Karte in Euroland zum Einkaufen zücken, müssen ab diesem Zeitpunkt keine Bearbeitungsgebühren mehr zahlen. Der Wegfall des Bearbeitungsentgelts, das derzeit noch bei 1 Prozent liegt, bringt den Kunden aller vier in Österreich tätigen Kreditkartenunternehmen rund 10 Mill. Euro im Jahr, schätzt Visa Austria Vorstandsvorsitzender Helmut Nahlik. Außerhalb der Eurozone ist weiterhin eine Gebühr von 1 Prozent fällig.

Anders sieht es beim Bargeld aus: Bei Abhebungen mit der Kreditkarte fallen sowohl in Österreich als auch in Euroland nach wie vor Gebühren, bei Visa beispielsweise in Höhe von rund 3 Prozent mindestens aber 3,63 Euro, an. Bei den Bankomatkarten entfällt die Gebühr dagegen mit Anfang Juli. Hintergrund dieser Preissenkungen ist eine EU-Verordnung, derzufolge die Preise für Kartenzahlungen und Bargeldbehebungen in den anderen Ländern der Eurozone nicht höher sein dürfen als im Inland.

Kartengebühr wird nicht erhöht

Erhöhungen der Kartengebühr werde es aber trotz der zu erwartenden Einnahmenausfälle nicht geben, betonte Nahlik im Gespräch mit der APA. Österreich liege mit rund 18 Euro Jahresgebühr für eine Kreditkarte ohne Zusatzfunktionen wie etwa Versicherungen europaweit eher am unteren Ende. In Deutschland beispielsweise liege der Preis bei 20 bis 30 Euro. Disagio-Senkungen für die Vertragspartner seien nach den Rücknahmen des Vorjahres heuer nicht geplant. (APA)

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