Fairchild Dornier droht endgültiges Aus

18. Juni 2002, 17:45
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Bombardier gibt Regionalflugzeugbauer einen Korb - 1.200 Mitarbeiter vor Kündigung

München - Der Bombardier-Konzern will nicht beim Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier einsteigen. Das erfuhr die dpa am Dienstag vor einer Betriebsversammlung des Oberpfaffenhofener Unternehmens. Der kanadische Konkurrent sei nicht mehr an einer Übernahme des 728-Jet-Programm interessiert. Damit droht dem Traditionsunternehmen möglicherweise das endgültige Aus.

Der zahlungsunfähige Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier will nun nahezu jeden dritten Mitarbeiter in Deutschland kündigen. Mit der für Anfang Juli erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssten voraussichtlich 800 bis 1.200 der insgesamt 3.600 Stellen gestrichen werden, teilte Insolvenzverwalter Eberhard Braun am Dienstag auf einer Betriebsversammlung in Oberpfaffenhofen mit.

Laut Braun scheiterten nach wochenlangen Verhandlungen die Gespräche mit dem kanadischen Weltmarktführer Bombardier über den Verkauf des neu entwickelten Regionaljet-Programms 728. Für das Flugzeug gebe es aber genau wie für den Jet 328 neue Interessenten.

Zerschlagung

Braun teilte den Beschäftigten auf der Versammlung mit, dass ihr Unternehmen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zerschlagen wird. Für die Entwicklung und Produktion des 728-Jets sei ursprünglich eine Fortführung angestrebt worden, die eine Übertragung an Bombardier ermöglichen sollte. Nach deren Rückzug werde diese Lösung jetzt in Gesprächen mit einem weiteren Interessenten verfolgt. Dies sei allerdings noch von einer "ganzen Reihe von Vorbedingungen" abhängig.

Interessenten

Nach den Angaben des Insolvenzverwalters gibt es mittlerweile nach einer langen ergebnislosen Suche einen ersten Interessenten für die Produktion des Jets 328. Demnach will eine US-Investorengruppe einsteigen, die unter anderem den Propellerflugzeughersteller Piper saniert hat. Mit der Gruppe würden intensive Verhandlungen geführt, die bis Ende September abgeschlossen werden sollen. Auch für die drei Bereiche Kundenbetreuung, Wartung und Fertigung für die Airbus-Komponenten gebe es Interessenten. Hier sei in wenigen Wochen oder Monaten mit einem Abschluss zu rechnen. Trotz der Aussichten auf eine Fortführung der Bereiche habe aber eine Analyse des Gesamtunternehmens gezeigt, dass nicht alle Mitarbeiter weiter beschäftigt werden können. Für die Entlassenen werde eine 3-monatige Qualifizierungsmaßnahme angestrebt. Mit dem Betriebsrat sollten zudem unverzüglich Interessenausgleichgespräche aufgenommen und Sozialplanverhandlungen geführt werden.

Fairchild Dornier musste Anfang April Insolvenz anmelden. Das Unternehmen baut Flugzeuge für den Regional-, Privat- und Geschäftsflugbereich sowie für militärische Zwecke. Als einziges Unternehmen in Deutschland hat das Unternehmen die staatliche Zulassung und die Möglichkeiten, Zivilflugzeuge komplett vor Ort in Oberpfaffenhofen zu fertigen. Dornier wartet darüber hinaus die Flugzeuge der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes. Derzeit sind nach Konzernangaben weltweit mehr als 1.400 Flugzeuge des Unternehmens im Einsatz. (APA)

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