Unido-Chef wehrt sich wortreich

18. Juni 2002, 17:42
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Vorwurf der Veruntreuung zurückgewiesen

Wien - Carlos Magariños, argentinischer Chef der in Wien ansässigen Unido (UNO-Organisation für industrielle Entwicklung), wehrt sich "mit den stärkstmöglichen Worten" gegen eine Anzeige wegen Veruntreuung. Magariños sowie der Infrastrukturminister der Regierung des zurückgetretenen Präsidenten Fernando de la Rúa, Carlos Bastos, sollen laut einer argentinischen Tageszeitung knapp 1,1 Millionen Dollar (1,163 Mio. Euro) veruntreut haben.

Der Anzeige zufolge hatte Argentinien Geld an die Unido mit dem Zweck überwiesen, ein - nie zustande gekommenes - Projekt in der Bergbauindustrie zu fördern. Im Mai 2001 aber forderte Bastos, wie auch der Standard berichtete, den Unido-Chef auf, mit dem Geld die Schulden Argentiniens bei der Organisation zu tilgen. Damit bekam Argentinien sein zuvor gestrichenes Stimmrecht in der Unido zurück, und Magariños soll sich so seine Wiederwahl gesichert haben.

Unido-Chef Magariños erklärt in einem dem Standard vorliegenden dreiseitigen Fax, dass er alle finanziellen Regeln der Unido eingehalten habe und dass sein untadeliges Verhalten bereits im Mai 2001 von den zuständigen Prüfstellen der Unido festgestellt worden sei.

Der Vorwurf der Veruntreuung sei aus der Luft gegriffen, wie sich durch den Vorgang der Bestellung von Magariños ergebe: Der Unido-Chef habe bei seiner Wiederwahl die Unterstützung von Argentinien gar nicht nötig gehabt, wie das Wahlergebnis zeige. Magariños will nun "alle möglichen und notwendigen Schritte unternehmen" um die Anschuldigungen als "absolut ungerechtfertigt und grundlos" zu entlarven.
(DER STANDARD, Printausgabe, 19.6.2002)

von Gerhard Plott
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