Zurück in die Schublade

18. Juni 2002, 17:37
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Verbund setzt Kraftwerkspläne wegen unsicherer Ökoenergie-Zukunft nicht um

Wien - Weil die künftigen Rahmenbedingungen für die Ökoenergie in Österreich völlig in den Sternen stehen, hat die Verbundgesellschaft bereits genehmigte Kraftwerksbauvorhaben auf Eis gelegt. Zwar gibt es auf dem Papier einen Markt für Grünstrom, aber der dafür entwickelte Zertifikatshandel funktioniert überhaupt nicht.

Insgesamt hat der Verbund eine Hand voll Projekte fix fertig in der Pipeline mit einer Erzeugung von 200 Mio. Gigawattstunden. Das entspricht immerhin einem Fünftel der Produktion des neuesten Verbund-Donaukraftwerks Wien- Freudenau, erläutert Herbert Schröfelbauer, Vorstand der Verbund-Erzeugungsgesellschaft AHP. Er hofft auf ein Ende der Rechtsunsicherheit, die durch die länderweise unterschiedlichen Ökostromgesetze verschärft wird. Derzeit wird im Parlament um eine bundesweite Regelung für Grünstrom gerungen.

Projekte

Schröfelbauer nannte zwei Projekte, bei denen die Signale derzeit auf Rot stehen. In Leoben in der Steiermark könnte der Verbund schon binnen eines Jahres mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes loslegen. Mit unter zehn Megawatt wäre die Anlage ein Kleinkraftwerk. Eine Dimension größer wäre das Projekt Werfen/Pfarrwerfen, sagte der AHP-Vorstand. Der Bau dieser Anlage an der Salzach - über der magischen Zehn-Megawatt-Schwelle - würde besonders vom Land Salzburg eingemahnt, wegen möglicher neuer Jobs.

Absurditäten

Als Beispiel für die Absurditäten der länderweisen Regelungen für Grünstrom nannte Schröfelbauer das Verbundkraftwerk in St. Andrä in Kärnten. Dort wird die Biomasseerzeugung nicht als erneuerbare Energie anerkannt. Regenerativ ist per Landesgesetz nämlich nur jene Energie, die in ein Verteilnetz (Niederspannung) eingespeist wird. Pech für den Verbund: Weil die Anlage in Kärnten eine Großanlage ist, wird der Strom mit Hochspannung über das Übertragungsnetz geschickt.

Erfüllung der Öko-Vorgaben in weiter Ferne

Der De-facto-Baustopp bei neuen Wasserkraftanlagen wird es Österreich noch schwerer machen, die Ökovorgaben der EU zu erfüllen: Der Anteil erneuerbarer Energieträger, wie Kleinwasserkraft, Wind, Biomasse oder Sonne soll von jetzt 70 Prozent auf 78 Prozent im Jahr 2010 klettern. "Ohne Wasserkraft geht das sicher nicht", ist Schröfelbauer überzeugt. Was dazu kommt: Der Bau neuer Anlagen dauert von Planung bis Eröffnung zumindest sieben Jahre, im Schnitt sind es gar zehn Jahre.Das Erreichen der Ökoziele wird aber in Realität eine noch viel größere Kraftanstrengung erfordern; schließlich muss der jährliche Zuwachs des Stromverbrauchs (plus 1,6 Prozent im Jahr, also stärker als die Konjunktur) auf die Ziele aufgerechnet werden. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 19.6.2002)

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