Luftgefecht der Diplomaten

18. Juni 2002, 20:07
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Die Abfangjäger-Verkäufer versuchen alles, sich ins beste Licht zu setzen - und andere anzuschwärzen

Wien - Das Aufregendste am Standard vom letzten Samstag war die Seite neun - zumindest für Gabriella Lindholm. Die Botschafterin des Königreichs Schweden las dort ein Inserat von EADS, dem internationalen Konsortium, das den Eurofighter herstellt - dieses Inserat regte die Diplomatin so auf, dass sie umgehend aktiv wurde: "Ich bin mit der deutschen und der britischen Botschaft in Kontakt getreten und habe dort wissen lassen, dass wir überrascht sind, das ein ,europäisches Unternehmen‘ derartig schmutzige Methoden verwendet. Wenn falsche Behauptungen über den Gripen aufgestellt werden, dann geht es ja nicht nur um ein Unternehmen, da geht es um Schweden."

Die deutschen und britischen Reaktionen waren kühl: Der Schwedin wurde mitgeteilt, dass EADS eben ein privates Unternehmen ist - weder die deutsche noch die britische Regierung habe damit zu tun, wenn etwa behauptet wurde, dass "Saab unter Druck" sei oder dass "die schwedische Luftwaffe zu viele Maschinen orderte".

Im Standard-Gespräch versicherte die Diplomatin, dass Schweden aufgrund der langjährigen Rüstungskooperation mit Österreich eben ein besonderes Interesse daran hätte, dem Bundesheer wieder ein schwedisches Flugzeug zu verkaufen. Die Schweden haben ihren Gripen bisher nur nach Südafrika und Ungarn verkaufen können (die Maschinen sind noch nicht ausgeliefert) - aber ihr klares Ziel ist, das sparsam ausgelegte Flugzeug quasi als Standard für kleine, defensiv ausgerichtete Armeen wie jene Tschechiens, eventuell Polens oder auch Österreichs zu etablieren. Um dieses Zieles willen haben die Schweden auch angekündigt, praktisch jedes verlangte Lieferdatum zu akzeptieren und auch schon vorab Flugzeuge bereitzustellen. Noch weiter reichende strategische Überlegungen haben die USA, wie US-General Tome Walters im Jänner erklärte: "Das F-16-Programm ist eine Möglichkeit, die Beziehungen zu Österreich auszubauen."

Das ist einer der Gründe, warum das US-Angebot auch innerhalb des Bundesheeres polarisiert - Amerika-Kritiker wollen nämlich eine solche Bindung nicht. Das andere Polarisierungselement liegt in der Tatsache, dass von Lockheeds F-16 wenn überhaupt die generalüberholte Version "MLU" gekauft würde, die wegen ihres geringen Preises im Finanzministerium beliebt ist. Nachteil: Sie müsste nach 4000 Flugstunden ersetzt werden - also nach etwa 20 bis 25 Jahren. Die F-16 MLU ist allerdings ein etablierter Standard in Europa und auch die US-Luftwaffe lässt sich ihre Flieger nach diesem Programm runderneuern - bevor sie in fernerer Zukunft durch den Joint Strike Fighter (JSF) ergänzt und schließlich ersetzt werden.

Die Amerikaner betonen, innerhalb eines Jahres lieferfähig zu sein. Und sie sagen, dass ihr Gegengeschäftsprogramm größer ist, als es aussieht - weil zur 100-prozentigen Kompensation die Etablierung von neuen, hochwertigen Geschäftskontakten komme. Die anderen Anbieter halten sich dagegen an die verlangte 200-prozentige Kompensationsquote.

Wobei beim brandneuen - und in seiner Ausstattung noch weiter entwickelbaren - Eurofighter dazukäme, dass Österreich von Anfang an an maßgeschneiderten Verbesserungen mitwirken könnte.
(DER STANDARD, 19.6.2002)

"Vor dem Sommer" soll entschieden werden, welche Kampfjets Österreich kauft. Die Anbieter versuchen, die Öffentlichkeit für sich einzunehmen, während in den Ministerien eher der Rechenstift zählt.

von Conrad Seidl
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