Postbus streikt frühestens kommende Woche

18. Juni 2002, 17:31
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Noch im Juni sollen Busse für 48 Stunden stillstehen - Unternehmen droht mit Sanktionen

Wien - Der ursprünglich für diese Woche erwartete zweitägige Warnstreik bei der österreichischen Postbus AG wird frühestens kommende Woche stattfinden. Dies bestätigte die Gewerkschaft indirekt am Dienstag. Eine bereits für Mittwoch angesetzte Pressekonferenz sei verschoben worden. Dass es einen Tag vor dem Streik eine Pressekonferenz geben werde, sei aber fix, sagte Franz Fischill vom ÖGB am Dienstag. Dass der zweitägige Streik somit nächste Woche stattfinden werde, wollte er nicht bestätigen. "Mit Garantie wird der Streik aber noch im Juni stattfinden", so der Gewerkschafter.

48 Stunden Stillstand

Bei dem geplanten Warnstreik sollen alle 1.600 Postbusse diesmal 48 Stunden still stehen. Der Postbus-Vorstand erwartet, nur 5 Prozent des Linienbetriebs mit angemieteten Bussen aufrecht halten zu können. Betroffen sind wieder - so wie bereits beim ersten eintägigen Warnstreik am 29. Mai - täglich rund 500.000 Passagiere, davon 400.000 Schüler. Die Kosten für den zweitägigen Streik schätzt die Unternehmensführung auf 1,45 Mill. Euro.

Die Unternehmensführung erwartet den zweitägigen Streik nächsten Dienstag und Mittwoch. An diesem Tag habe der Vorstand eine bundesweite Besprechung mit allen Bereichsleitern, Regionalmanagern und der gesamten Verkehrsleitung in Gosau (Oberösterreich) angesetzt. Das gesamte Management sei an dem Tag außer Haus, sagte Unternehmenssprecherin Barbara Tichy am Dienstag.

Sanktionen

Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann will unterdessen mit Sanktionen gegen ihre streikenden Mitarbeiter vorgehen. Fix ist laut Unternehmenssprecherin Tichy mittlerweile, dass an den Streiktagen zumindest für die rund 25 Prozent Angestellten der 3.000 Postbusbediensteten kein Gehalt ausbezahlt wird. "Die Beamten können wir nicht sanktionieren", so Tichy. Auch die Angestellten können sich allerdings wegen des Lohnentgangs an die Streikkasse des ÖGB wenden.

Protest gegen Teilprivatisierung

Der Postbus-Betriebsrat versucht, mit den Streiks die Teilprivatisierung des Postbusses zu verhindern. Die Regierung plant, den Postbus zunächst zu 100 Prozent an die ÖBB zu übertragen, um anschließend 30 Prozent an Private weiterzuveräußern. Der Betriebsrat fürchtet dabei den Abbau von 1.000 Arbeitsplätzen und die Einstellung unrentabler Linien.

Die Regierung weist dies zurück. Ziel sei eine "österreichische Buslösung", durch die der ländliche Nahverkehr nicht gefährdet, sondern vielmehr abgesichert werde. Wenn die "österreichische Buslösung" nicht zustandekomme, drohe der Verkauf des Postbusses an ein ausländisches Unternehmen, meint die Regierung. Die Teilprivatisierung begründet sie mit kartellrechtlichen Vorgaben, was wiederum der Postbus-Betriebsrat bestreitet. Eine Einigung scheint vorerst nicht in Sicht. (APA)

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