Körberlgeld für Grasser

18. Juni 2002, 19:29
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300 Millionen Euro weniger Aufwand für Schillingrückkauf

Wien - Schillingnostalgiker verhelfen der Münze Österreich - und in weiterer Folge deren Mutter Nationalbank (OeNB) sowie dem Finanzminister - zu einem Körberlgeld: Von den rund sechs Milliarden Schillingmünzen, die die Münze Österreich im Zuge der Eurobargeldumstellung theoretisch zurücknehmen müsste, dürfte etwa die Hälfte "versickert" sein. Dies entspricht einem Nominalwert von 300 Mio. Euro, der nicht für den Rückkauf der alten Währung aufgewendet werden muss.

Massive Steigerung

Bereits 2001 haben die Erlöse aus der Ausgabe der Euromünzen die Aufwendungen für den Schillingrückkauf (rund 120 Mio. Euro) weit übertroffen. Für 2001 wird die Münze Österreich 58 Mio. Euro an die OeNB ausschütten, was gegenüber 2000 (50 Mio. Schilling / 3,6 Mio. Euro) einer Steigerung um mehr als das 15fache entspricht. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 2001 59,7 Mio. Euro nach 6 Mio. Euro im Jahr davor.

Für 2002, das Jahr der Euro-Bargeldeinführung, prognostiziert der Münze-Österreich-Aufsichtsratschef, Nationalbankpräsident Adolf Wala, ein "Ergebnis von fast 300 Mio. Euro". Zusammen mit dieser Summe "haben wir seit dem Kauf des einstigen Hauptmünzamts bereits deutlich mehr verdient als jene acht Mrd. S, die von der Nationalbank im Jahr 1989 bezahlt wurden", sagte Wala.

Verschrottung erspart

Die rund 300 Mill. Euro, die nicht für die Rücknahme der Schillingmünzen aufgewendet werden müssen, entsprechen ziemlich genau den Erwartungen der Münze Österreich, sagte Vorstandsdirektor Kurt Meyer. Durch das Ausbleiben von drei Mrd. Schillingmünzen erspart sich die Münze Österreich nicht nur deren Rückkauf, sondern auch deren Verschrottung.

Nach den Produktionsspitzen in den vergangenen drei Jahren steht für die Münze jetzt "die Rückkehr zur Normalität an", sagte Münze-General Dietmar Spranz. Erst müssten die für die Währungsumstellung aufgebauten Reservebestände abgebaut werden, danach gebe es einen laufenden Nachprägebedarf von jährlich etwa drei Prozent. Die ersten Nachprägungen werde es bei 2- und 5-Cent-Münzen geben. (APA, DER STANDARD, Printausgabe 19.6.2002)

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