Araber fordern von US-Präsident Bush ausgewogene Haltung

18. Juni 2002, 14:47
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Saudiarabische Kritik an israelischem Sperrzaun

Kairo - Ägypten und Saudiarabien haben US-Präsident George W. Bush aufgefordert, bei seinen erwarteten Vorschlägen für die Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses nicht nur israelische Interessen zu berücksichtigen. Die arabische Welt erwarte von den USA eine "gerechte und ausgewogene Haltung", sagte der ägyptische Außenminister Ahmed Maher am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem saudiarabischen Ressortkollegen Prinz Saud al Faisal. Dieser kritisierte den von Israel begonnenen Bau eines Sperrzaunes an der Grenze zum Westjordanland.

"Sie (die Israelis) werden nur dann geschützt sein, wenn ihre Existenz von den Völkern der Region akzeptiert wird", sagte der saudiarabische Außenminister. Dies sei möglich, wenn sie den Arabern "auf halbem Wege entgegenkämen". Faisal erinnerte daran, dass die Araber Ende März auf dem Sondergipfel in Beirut mit der Verabschiedung eines Friedensplans bereits einen Schritt getan hätten. Der Vorschlag bietet Israel "normale Beziehungen" mit seinen arabischen Nachbarn an, falls sich der jüdische Staat aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückzieht.

Treffen mit Bush

Prinz Saud al Faisal und der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hatten Präsident Bush in den vergangenen Tagen beide in den USA getroffen, um ihm die arabischen Vorschläge für ein Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern und eine Rückkehr zu politischen Gesprächen vorzulegen. Mubarak betonte jedoch unterdessen, er habe mit Bush nicht über die Gründung eines zeitlich begrenzten palästinensischen "Übergangsstaates" gesprochen. Diese Idee war von US-Außenminister Colin Powell vor einigen Tagen in einem Interview geäußert worden. Beobachter hatten den Vorschlag dem ägyptischen Präsidenten zugeschrieben.

Saudiarabien erwartet von den USA einen Nahost-Zeitplan, der zur Errichtung eines souveränen palästinensischen Staates noch vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Bush (Anfang 2005) führt. Das betonte Kronprinz Abdullah nach Angaben der offiziellen saudiarabischen Presseagentur SPA vom Dienstag bei einer Zusammenkunft mit Vertretern der US-amerikanischen Presse, die er am Montagabend in Dschidda empfing. Zugleich verwies er auf den von ihm unterbreiteten Nahost-Friedensplan, den die Arabische Liga auf ihrem Beiruter Sondergipfel angenommen hatte.(APA/dpa)

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