Wiener Börse "wachgeküsst"

18. Juni 2002, 15:36
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Erste Bank sieht Höhenflug der Wiener Börse noch nicht beendet - Andritz, Mayr-Melnhof und Stahl-Titel Top-Empfehlungen

Wien - Die Bewertungsschere zwischen dem Wiener Aktienmarkt und den internationalen Leitbörsen sollte sich künftig weiter verringern. Die Wiener Börse habe eine Fülle von Maßnahmen wie etwa die Einführung des prime market realisiert und dadurch für die Outperformance seit einigen Monaten den Grundstein gelegt, sagte der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck, am Dienstag vor Journalisten. Die Entwicklung sei absolut in die richtige Richtung gegangen, "wir brauchen uns international nicht zu verstecken".

Ostfantasie

Als weitere Faktoren für den Höhenflug heimischer Aktien im ersten Halbjahr 2002 nannte Mostböck die "nicht zu unterschätzende Ostfantasie", solide Bilanzierungspraktiken und den internationalen Investorentrend zu "Zyklikern" und Industriewerten - vor allem aus dem in Wien ausschließlich vertretenen Bereich der Small- und Midcaps.

Großinvestoren entdecken Wien

Zudem dürften internationale Großinvestoren wie AUA-Aktionär Wyser-Pratte die Wiener Börse entdeckt haben, "ähnlich wie sie in den 80er Jahren von Jim Rogers wachgeküsst wurde".

Wegfall der "Casino-Mentalität"

Mostböck erwartet, dass diese Faktoren auch im zweiten Halbjahr - wenn auch etwas abgeschwächt - wirken sollten. Nach einem Sommer, für den "nicht viel zu erwarten" sei, sollte sich der Wiener Leitindex ATX von derzeit 1.238 Punkten (Stand vom Dienstag Nachmittag) bis Jahresende 2002 auf 1.370 Punkte erhöhen, bis Sommer 2003 setzen die Erste-Experten auf einen Anstieg auf 1.400 Zähler. Die Anleger versuchten zur Zeit Märkte mit Substanz zu finden, führt Mostböck ein weiteres Plus der Wiener Börse mit dem Wegfall "der Casino-Mentalität" der Investoren an.

Liquiditäts-Manko

Größtes Manko bleibt aus Sicht von Mostböck weiterhin die Liquidität des heimischen Marktes, wobei er - nicht zuletzt abhängig von der Privatisierungspolitik der Bundesregierung - auf eine Besserung im zweiten Halbjahr hofft: "Da steckt sicher einiges in der Pipeline." Auch Verstärkungen für den in Wien etwas vernachlässigten Technologiesektor sind denkbar. "Wien ist als Plattform um nichts schlechter als der Frankfurter Neue Markt", so Mostböck.

Top-Empfehlungen

Als ATX-Top-Empfehlungen führt Xetra-Sektoranalyst Günther Artner den Maschinenbauer Andritz, den Karton- und Faltschachtelerzeuger Mayr-Melnhof und die Stahltitel Böhler-Uddeholm und voestalpine an. Als "extrem billige Nebenwerte" legt er den Anlegern den Erzeuger hochwertiger Gummiprodukte, Semperit AG Holding, und die Bau Holding Strabag ans Herz. Unter den am Neuen Markt notierten Austro-Werten empfiehlt Artner mit dem Leiterplatten-Hersteller AT&S und dem Notebook-Erzeuger Gericom beide im Leitindex Nemax 50 vertreten heimischen Titel. Obwohl die Gericom-Marktkapitalisierung nach dem jüngsten Kursrutsch nicht mehr den Nemax 50-Kriterien entspricht, rechnet Artner trotzdem mit einem Verbleib der Aktie im Index. (APA)

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