Staatsanwältin und Verteidiger am Wort

18. Juni 2002, 14:01
posten

Staatsanwältin brachte Strafantrag vor - Verteidiger: Es darf keine Strafe ohne Schuld geben

Nicht ein Fehler, sondern ein "Mosaik von Fehlern" habe die Brandkatastrophe in der Kapruner Standseilbahn ausgelöst, so Staatsanwältin Eva Danniger-Soriat zu Beginn ihres Strafantrages. "Der Brand war vorhersehbar, und die Beschuldigten wussten das", erläuterte die Anklagevertreterin. Es könne nicht sein, dass eine Seilbahn keine brandschutztechnischen Vorkehrungen aufweise, "nur weil es dazu keine Vorschriften gibt". Im Prozess gehe es nun darum, zu klären, ob dem Leugnen der 16 Angeklagten ein Bewusstsein ihrer Schuld zu Grunde liege.

"Gemeinsam - und mit Disziplin - aufarbeiten"

"Schließen Sie nicht die Augen vor den Beweisen der Staatsanwaltschaft, sondern lassen Sie uns diesen Unfall gemeinsam - und mit Disziplin - aufarbeiten", appellierte Danninger-Soriat an die Beschuldigten und ihre Verteidiger. Die Angeklagten hätten - durch den Einbau des nicht für Fahrzeuge zugelassenen Heizstrahlers in der Nähe der Kunststoffhydraulikleitungen sowie durch spätere Überprüfungen - ihre Sorgfaltspflicht verletzt und so die Katastrophe in Gang gesetzt.

Zwei Verteidiger von leitenden angeklagten Mitarbeitern der Gletscherbahnen betonten, dass ihre Mandanten die Sorgfaltspflicht nicht verletzt hätten. "Schuldig kann nur der sein, dessen Schuld bewiesen wird", so die Rechtsanwälte Wolfgang Brandstetter und Wilfried Haslauer unisono. Beide betonten, dass der Strafantrag nicht schlüssig sowie gerechtfertigt sei und man die damaligen Ereignisse nicht mit den Erkenntnissen von heute messen dürfe. Man könne nicht im Nachhinein alles auf die damals Verantwortlichen anwenden, so die beiden Advokaten.

"Warum sollte eine Einzelperson klüger sein als der Gesetzgeber?"

"Derartige Katastrophen passieren nur dort, wo sie nicht vorhersehbar waren", meinte Wolfgang Brandstetter, der Verteidiger des technischen Direktors der Kapruner Gletscherbahnen. Eine "sachlich klare und eindeutige" Sorgfaltsverletzung könne man dem Strafantrag - zumindest was seinen Mandanten betreffe - "nicht wirklich entnehmen", so der Anwalt. Zudem sei es so, dass anhand von Katastrophen die "strengeren Sorgfaltsnormen von morgen" entstünden, diese aber im Nachhinein nicht für vorangegangene Unfälle herangezogen werden könnten. Der aktuelle Stand der Technik manifestiere sich in den jeweiligen Rechtsvorschriften, und: "Warum sollte eine Einzelperson klüger sein als der Gesetzgeber?", meinte Brandstetter.

Haslauer argumentierte für seinen Mandanten, den verantwortlichen Betriebsleiter der Bahn, ähnlich. Die Gletscherbahnen hätten damals nach dem neusten Stand der Technik entsprechend ihre Anlagen bestellt, und der Angeklagte habe sich auf die Meinung der Experten verlassen. Das Recht könne nur in einem fairen Verfahren eruiert und die Ursache der Katastrophe untersucht werden. "Wir haben großes Vertrauen in das Gericht und den Richter." Sein Mandant habe persönlich nicht vorwerfbar schuldig gehandelt, betonte Haslauer. (APA)

Share if you care.