Vom Pilzkopf zum Sir

18. Juni 2002, 19:28
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Paul McCartney ist 60: "Will you still need me, will you still feed me, when I'm 64?"

Frankfurt/Main - Der gerade erst frisch verheiratete Paul McCartney kann munter weiterfeiern: Am Dienstag wurde der Ex-Beatle 60 Jahre alt. "Will you still need me, will you still feed me, when I'm 64?" fragte er auf dem Meilenstein-Album der Beatles, "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band"(1967).

Damals war Paul der einzige "Pilzkopf", der auch zum Schwiegermutterschwarm taugte: Trotz seines Ruhms ist er eigentlich immer der etwas schüchterne, aber auch stets freundliche und lustige Sohn einer kleinbürgerlichen Liverpooler Familie geblieben. In den zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vier Mal umgezogen: 1955 zog die vierköpfige Familie schließlich in dem Reihenhaus Forthlin Road 20 ein. Heute steht es unter Denkmalschutz: Nachdem der brave Paul 1957 den "Arbeiterklassen-Macho" John Lennon kennen gelernt hatte, entstanden hier die ersten Lennon-McCartney-Songs.

Gefühl

"Wenn ich mich mit John über seine Kindheit unterhielt, stellte ich fest, dass meine so viel mehr Liebe hatte", zitiert der Rundfunkjournalist Harald Martin in seinem Buch "Paul McCartney" den Ex-Beatle. "Ich glaube, deswegen bin ich so ein offener Mensch, vor allem in Bezug auf Sentimentalität. Es macht mir nichts aus, gefühlvoll zu sein. Ich kenne viele Leute, die das für uncool halten. Ich betrachte das als eine wundervolle Gabe." Und so verwundert es nicht, dass McCartney immer für die "Schmuse-Hits" wie etwa "Yesterday", "Hey Jude" und "Let It Be" verantwortlich zeichnete.

Auch danach fielen ihm noch etliche Hits ein. Aber bis 1973, dem Wings-Album "Band On The Run", stand er sichtlich unter dem Schock der Beatles-Auflösung. Er nahm Rauschgift, wirkte kreativ gelähmt, pflegte das Familienleben mit seiner ersten Frau Linda und den Töchtern Mary (geboren 1960) und Stella (geboren 1971). Linda hatte 1969 Tochter Heather (geboren 1963) mit in die Ehe gebracht; Sohn James wurde 1977 geboren. Der im vergangenen Jahr verstorbene George Harrison sagte damals, Paul sei nach den Beatles isoliert gewesen: "Die einzige Person, die ihm sagt, ob ein Song gut oder schlecht ist, das ist Linda. In den Beatles-Tagen war das anders..."

Die ersten Soloalben, "McCartney" (1970) und "Ram" (1971), wurden trotz Kritikerunwillens kommerzielle Erfolge, 1971 gründete McCartney seine Band Wings. Als Komponist bevorzugt der Ex-Beatle den einfachen Popsong, will - wie etwa John Lennon - keine "Message" transportieren. In "Silly Love Songs", einem Nummer-eins-Hit von 1976, ging er in die Offensive: "Einige Leute wollen die Welt mit dummen Liebesliedchen füllen", sang er. "Was soll daran schlimm sein?" Ein Jahr später veröffentlichte er eine der erfolgreichsten Singles der britischen Pop-Geschichte: "Mull of Kintyre" wurde im Königreich 2,5 Millionen Mal verkauft und traf wie wenige andere das britische Lebensgefühl auf den Punkt.

Schlag zum Ritter

Der Ohrwurm dürfte sich auch in königlichen Ohren festgebohrt haben: 1997 wurde McCartney zum Ritter geschlagen. Er fand es damals merkwürdig, dass die beiden anderen damals noch lebenden Beatles, Harrison und Ringo Starr, nicht ebenfalls zu "Sirs" wurden. "Sie machen sich lustig über mich. Sie rufen mich an und nennen mich 'Ihre Heiligkeit' ... Es ist seltsam, hier zu sein ohne die anderen", zitiert Martin McCartney.

McCartneys Mutter Mary starb 1956 an Brustkrebs, derselben Krankheit erlag Linda 1998. Ein Jahr später lernte er die Anti-Landminen-Aktivistin Heather Mills kennen, die er in der vergangenen Woche heiratete.

In den Jahren, die von Lindas schwerer Krankheit und Tod geprägt waren und dem Aufbruch in ein neues Leben mit seiner zweiten Frau veröffentlichte McCartney drei Alben, die eine Rückbesinnung auf seine Beatles-Wurzeln dokumentierten: "Flaming Pie" (1997), "Run Devil Run" (1999) und "Driving Rain" (2001). (APA)

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