Sommerkolleg - "Boku goes East"

19. Juni 2002, 11:18
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Die Universität für Bodenkultur fördert die Sprachkompetenz heimischer Studenten für neue Jobmärkte in Mittel- und Osteuropa

Wenn Birgit Schiller, Studentin der Lebensmittel- und Biotechnologie, vom "legendären UNO-Abend" spricht, so hat das nur im übertragenen Sinn mit den Vereinten Nationen zu tun. Die 20-Jährige erinnert sich an eine Sommernacht, in der 20 österreichische und slowakische Studenten am Boden eines kleinen Heimzimmers bis in die frühen Morgenstunden dem Kartenspiel "UNO" verfallen waren.

Zwei Wochen hat die Studentin vergangenes Jahr beim ersten Sommerkolleg der Initiative "Boku goes East" im slowakischen Nitra verbracht und an den Vormittagen "Tandemsprachkurse" absolviert. Hier lernen Österreicher Slowakisch und die Slowaken Deutsch. In der übrigen Zeit hat sie Kultur, Geschichte, Kaffeehäuser und Biergärten des Nachbarlandes kennen gelernt. Zum zweiten Mal werden dieses Jahr die Sommerkollegs abgehalten: in Tschechien, der Slowakei, und erstmals auch in Polen und Kroatien.

Vorbereitet wurde der Aufenthalt durch Kurse in der jeweiligen Sprache, die auch als Wahlfach angerechnet werden. "Eine slawische Sprache zu lernen ist für die Studenten unserer Uni einerseits aus einem nackten wirtschaftlichen Interesse heraus wichtig. Denn viele interessante Firmen siedeln sich in Mittel-und Osteuropa an, und so entstehen neue Jobmärkte", sagt Leopold März, Rektor der Uni für Bodenkultur (Boku). "Aber ich beobachte bei den Studierenden auch ein enormes Interesse an der Kultur dieser Nachbarländer. Und das halte ich angesichts des europäischen Integrationsprozesses für ungeheuer wichtig."

März, der selbst fließend Slowakisch spricht, hat die Idee der Boku-Hochschülerschaft, ein spezielles Programm zur Förderung der Sprachkompetenz heimischer Studenten zu schaffen, begeistert aufgegriffen. Er sorgte für die nötigen Finanzmittel, und so sind die zweiwöchigen sommerlichen Sprachaufenthalte - abgesehen von einer Anmeldegebühr von 100 Euro - für die Studenten kostenlos. Die Organisation und Administration der Kollegs hat der Österreichische Austauschdienst übernommen.

Neben den Sprachkursen gibt es ein umfangreiches kulturelles Angebot, das von Dichterlesungen über Exkursionen bis zu Wanderungen und Kanufahrten reicht. Die Rückmeldungen der Teilnehmer vom letzten Jahr waren durchwegs positiv. Einzige Ausnahme: Die Sprachkenntnisse reichten oft noch nicht aus. "Die slowakischen Studenten konnten viel besser Deutsch als wir Slowakisch", erzählt Birgit Schiller, "deshalb haben wir uns in der Freizeit meist auf Deutsch unterhalten." Dieser Schönheitsfehler soll in Zukunft durch einen Ausbau des Kursangebotes behoben werden. "Bisher gab es jeweils nur einen Grundkurs", berichtet Marcus Mittermeier, der bei der Hochschülerschaft für das Projekt zuständig ist. "Nun wird es bereits im Winter einen Anfänger- und im Sommer einen Fortgeschrittenenkurs geben." Anmelden kann man sich dafür bereits jetzt am Zentrum für Internationale Beziehungen. Bei den Sprachkollegs gibt es für diesen Sommer noch Restplätze, für die sich auch Studenten bis 35 Jahre bewerben können, die keinen Sprachkurs belegt haben, aber über Basiskenntnisse der jeweiligen Sprache verfügen. (Kirsten Commenda/DER STANDARD, Printausgabe)

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