Piloten von Billigairlines riskieren Sicherheit, um pünktlich zu sein

18. Juni 2002, 12:21
posten

Britischer Fluglotse erhebt schwere Vorwürfe

Einige Piloten von Billigfluglinien nehmen einem britischen Sicherheitsbericht zufolge Risiken in Kauf, um pünktlich zu sein. Sie missachten demnach manchmal die Anweisungen des Towers, nähern sich den Flughäfen zu schnell und halten einen zu kurzen Abstand gegenüber vorausfliegenden Maschinen ein. Wie die "Times" am Dienstag berichtete, erhob ein Fluglotse diese Vorwürfe in einem vertraulichen Bericht, weil er befürchtete, dass es durch die Verstöße zu einem Unglück kommen könne. Billigfluglinien wie Ryanair und EasyJet bestritten die Vorwürfe.

"Die Sicherheit hat absolute Priorität, und wir würden da niemals irgendwelche Kompromisse eingehen", sagte Tim Jeans, Marketing-Chef der irischen Ryanair. "Auf unseren Piloten lastet kein größerer Druck, pünktlich abzufliegen, als auf denen von British Airways."

Aggressive kommerzielle Einstellung"

Der Fluglotse schrieb in dem Bericht über die Sicherheitsverstöße: "Es geschieht mit zunehmender Häufigkeit, und wird nach meiner Ansicht zum Teil durch die aggressive kommerzielle Einstellung verursacht, die bei einigen Gesellschaften existiert." David Learmont, Sicherheitsexperte des Fachmagazins "Flight International", bestätigte diese Einschätzung in einem BBC-Interview: "Wie wir alle wollen auch Piloten ihre Arbeit gut machen, und obwohl die Fluggesellschaften ihnen sagen, sie sollten nichts tun, um die Sicherheit in Gefahr zu bringen, gibt es diesen Druck, der sie denken lässt, sie müssten manchmal Fünfe gerade sein lassen."

Nach Angaben der "Times" planen Billigflug-Linien nur einen Aufenthalt von 25 Minuten zwischen Landung und erneutem Start ein. An einem Tag flögen sie so zum Beispiel vier Mal von London zu einer kontinentaleuropäischen Stadt und wieder zurück. Das sei doppelt so viel wie bei etablierten Fluggesellschaften. (APA/dpa)

Share if you care.