Nasdaq tritt gegen Deutsche Börse an

18. Juni 2002, 16:27
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Deutsche Nasdaq startet 2003 - Mit "besseren Kursen und höherer Liquidität" sollen vor allem Kleinaktionäre angesprochen werden

Frankfurt/Main - Die weltweit größte Technologiebörse Nasdaq greift gemeinsam mit Großbanken und den Handelsplätzen Berlin und Bremen den Branchenprimus Deutsche Börse an. Schon 2003 soll der neue Aktienmarkt etabliert sein, der vor allem Kleinanleger im Visier hat. "Wir werden den deutschen Privatanlegern bessere Kurse und eine deutlich höhere Liquidität bieten", sagte Nasdaq-Präsident Rick Ketchum am Dienstag in Frankfurt. Partner für den Handel mit deutschen und internationalen Titeln sind neben den Regionalbörsen Berlin und Bremen die Dresdner Bank, die Commerzbank und die comdirect bank.

Plattform für Wachstumsunternehmen

Zunächst wird der Handel mit den wichtigsten Aktien des DAX 100, Nemax 50, Nasdaq 100, Euro Stoxx 50 und Dow Jones Industrial angestrebt. "Mittelfristig ist eine Ausweitung des Handels auf rund 3.000 Werte geplant. Darüber hinaus soll der neue Aktienmarkt Wachstumsunternehmen aus allen Branchen eine attraktive Plattform für Neuemissionen bieten", so die Nasdaq.

Die Allianz aus Banken und Börsen startet laut Bremer Börse-Vorstand Axel Schubert mit fertigen Geschäftsplänen, die Gewinnzone soll im schlechtesten Fall nach drei Jahren erreicht sein. Wenn sich die Börsenkonjunktur verändere und - wie fest erwartet werde - weitere große Bankhäuser dazu stießen, könne dies auch früher geschehen.

Weitere Partner "hoch willkommen"

Als Trägergesellschaft für die neue Plattform gründen die sechs Partner die Nasdaq Deutschland mit Sitz in Bremen. Die Regionalbörse Berlin, schon seit Herbst Partner der Nasdaq verschmilzt mit ihrem Gegenstück in Bremen. Eine Kapitalerhöhung der Bremer Wertpapierbörse soll die neue Gesellschaft mit frischem Geld versorgen. Neben den Amerikanern und den Regionalbörsen, die zusammen 70 Prozent der Anteile halten, sind bislang noch die Finanzinstitute comdirect, Commerzbank (jeweils 7,5 Prozent) und Dresdner Bank (15 Prozent) mit im Boot. Weitere Partner seien "hoch willkommen".

Die Stärken des Börsen-Bündnisses sieht Schubert unter anderem darin, dass mit den bereits beteiligten Banken drei große Institute im Boot sitzen "und Bargeld mitbringen" für die gemeinsame Gesellschaft. Klar sei zudem, dass die Geldhäuser ihre Orders so weit wie möglich auf die neue Handelsplattform bringen würden. Der Partner Nasdaq bringe - neben dem weltweit bekannten Markennamen - auch fertige Software als effektives Handelssystem ein.

Deutsche Börse gelassen

Die Deutsche Börse reagierte gelassen und verwies auf ihren derzeitigen Status. "Wir sind von der Überlegenheit unseres Angebotes insbesondere deswegen überzeugt, weil Aufträge, die in Xetra Best ausgeführt werden, mit dem liquidesten und transparentesten Orderbuch in deutschen Aktien - nämlich Xetra - verknüpft sind", so Sprecherin Alexandra Franz. Es müsse sich erst zeigen, inwieweit andere Initiativen den "regulatorischen Status und die Qualitätsanforderungen von Xetra Best erreichen werden". (APA/dpa)

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